Justiz: Hamburger Landgericht fällt Urteil

Stieftochter vergewaltigt sechs Jahre Haft

Mehr als zwei Jahre lang hat sich der Mann an dem kleinen Mädchen vergangen. Trotzdem wollte der Vergewaltiger seine Tat nach Ansicht des Gerichts verharmlosen.

Hamburg. Für den jahrelangen sexuellen Missbrauch seiner kleinen Stieftochter hat das Hamburger Landgericht einen Familienvater am Montag zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die Richter waren davon überzeugt, dass sich der Mann über mehr als zwei Jahre hinweg immer wieder an dem anfangs siebenjährigen Mädchen vergangen hatte. Der 43-jährige Angeklagte hatte lediglich ein Teilgeständnis abgelegt und die Taten nach Ansicht der Richter verharmlost. Das Gericht glaubte aber der Aussage des Mädchens und betonte die schweren Folgen der Übergriffe für das Kind. Die jetzt Zehnjährige leide unter Angst, habe ein angeschlagenes Selbstbewusstsein und gehe nur unregelmäßig zur Schule.

Die Mutter des Mädchens hatte in die Ehe mit dem 43-Jährigen bereits zwei Kinder mitgebracht, einen Sohn, der nicht bei ihr wohnte, und die Tochter. Diese habe zunächst ein gutes Verhältnis zum Stiefvater gehabt. "Sie hat ihn Papa genannt", sagte der Richter. Kurz nach dem Umzug der Familie in ein Einfamilienhaus in Hamburg- Neugraben im Juni 2004 habe der Mann mit dem Missbrauch begonnen. Immer dann, wenn die Mutter zum Einkauf oder zu Elternabenden außer Haus war, habe der Angeklagte das Mädchen in dessen Kinderzimmer missbraucht. Erst als das Ehepaar im März 2006 ein Baby bekam, habe er damit weitgehend aufgehört und die Stieftochter wohl nur noch ein Mal missbraucht.

Das Kind habe "aus einer diffusen Angst heraus" geschwiegen, meinte der Richter. Das Mädchen offenbarte sich erst der Mutter, als es für ein Wochenende nicht zu den Großeltern durfte, sondern mit den Eltern verreisen sollte. Der Richter forderte den Angeklagten, der "eine gewisse Reue" gezeigt habe, dringend zu einer Therapie auf. Die Staatsanwältin hatte sieben Jahre Haft für den 43-Jährigen gefordert, der Verteidiger lediglich eine zweijährige Bewährungsstrafe.