Stoiber wünscht sich einen fairen Wettkampf um seine Nachfolge

Während Pauli Beckstein und Huber kritisiert, will Seehofer die Partei verjüngen.

München. Der scheidende bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber setzt sich im Streit um seinen Nachfolger als CSU-Parteichef für einen fairen Wettkampf ein. "Ich will, dass am Ende keiner verletzt ist. Das ist schwierig, aber ich will das erreichen", sagte Stoiber. Derweil kritisierte die Fürther Landrätin Gabriele Pauli den politischen Stil der potenziellen Stoiber-Nachfolger.

Bundesagrarminister Horst Seehofer kündigte für den Fall seiner Wahl zum CSU-Vorsitzenden eine deutliche Verjüngung der Partei an. Stoiber sagte dem "Münchner Merkur", er wolle jetzt alle Wähler an die CSU binden - "auch die, die lieber hätten, dass ich bleibe". Um den Erfolg seiner Partei nicht zu gefährden, will er deswegen auch die Ereignisse von Wildbad Kreuth nicht mehr öffentlich aufarbeiten. "Ich werde mich nicht mit irgendwelchen Bemerkungen rückwärts wenden", sagte er.

Für ihn sei entscheidend gewesen, nicht mit Brachialgewalt eine Kandidatur 2008 zu erzwingen. Mit der Kampfkandidatur zwischen Seehofer und Wirtschaftsminister Erwin Huber um seine Nachfolge als Parteichef hat sich Stoiber inzwischen arrangiert: "Ich kann und will niemanden zwingen, seine Kandidatur zurückzunehmen. Und ich stelle fest, dass der Wunsch in der Partei wächst: Mauschelt das nicht aus." Dagegen hält er an seinem Zeitplan für den Rückzug eisern fest: "An meiner Entscheidung, zum 30. September aufzuhören, möchte ich nicht rütteln lassen. Daran sollten sich alle orientieren."

Ebenfalls im "Münchner Merkur" stellte Seehofer für den Fall seiner Wahl zum Parteivorsitzenden eine deutliche Verjüngung der Partei in Aussicht. "Ich habe schon immer gesagt, dass wir eine Verjüngung in der Partei, aber auch in Regierungsämtern und in den Gremien der Parlamente brauchen", wird er zitiert. Sein Ziel sei, noch in diesem Jahrzehnt die Hälfte aller Führungsämter mit Männern und Frauen unter 50 zu bestücken. Daraus entstehe die Vitalität, die eine Volkspartei brauche.

Unterdessen kritisierte die Fürther Landrätin Pauli das Vorgehen der möglichen Stoiber-Nachfolger. "Auch diejenigen, die jetzt nach oben streben, wollen die Basis nicht oder nur widerwillig mitreden lassen", sagte Pauli dem "Focus". Es sei kein guter Stil, oben auszuhandeln, wer welche Position bekomme, kritisierte sie die Absprachen zwischen dem designierten Ministerpräsidenten Günther Beckstein und Huber, der derzeit als Favorit für den Parteivorsitz gilt. "Mich verwundert schon, dass man aus den Vorgängen der letzten Wochen offenbar keine Lehren gezogen hat", fügte sie an.

Im Kampf um den CSU-Vorsitz, der vermutlich erst im September auf dem Parteitag zwischen Huber und Seehofer entschieden wird, unterstützt Pauli den Bundesminister. Sie forderte die CSU-Delegierten auf, Seehofers außereheliche Affäre nicht zum Maßstab für das Parteitagsvotum zu machen. Allein die politische Kompetenz müsse zählen. Die Option einer Kandidatur zur stellvertretenden Parteivorsitzenden hielt sich Pauli, die bereits Vorstandsmitglied ist, offen. Sie könne sich auch vorstellen, jemanden zu unterstützen, der den Kurs des neuen Denkens repräsentiere, sagte sie.