Urteil: Mehrjährige Haftstrafen für Brandstifter von Norderstedt

"Schwerstkriminelle" Tat stürtzt Wirt in Ruin

Er hatte sein Steakhaus "Redox House" von zwei Komplizen anzünden lassen, um sich mit der Versicherungssumme finanziell zu sanieren. Jetzt muss der 52 Jahre alte Gastwirt aus Norderstedt für siebeneinhalb Jahre hinter Gitter.

Kiel. Gegen die beiden Komplizen verhängte das Landgericht Kiel jeweils fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Sie hatten im Juli 2006 im Steakhaus des Wirtes Feuer gelegt, um dessen Versicherung zu betrügen. Bei dem Brand in der Nacht zum 20. Juli 2006 entstand ein Millionenschaden. Die Feuerwehr musste mit rund 120 Mann anrücken und mehrere Bewohner des Hauskomplexes mit Drehleitern vor den Flammen retten.

Alle Angeklagten hatten im Prozess Geständnisse abgelegt und ihre Tat bereut. Der Vorsitzende Richter betonte in der Urteilsbegründung, die drei Männer hätten eine "schwerstkriminelle" Tat begangen. Zum Haupttäter sagte er: "Auf Grund Ihrer desolaten finanziellen Situation haben Sie Zuflucht gesucht in einem unsinnigen Plan." Der Gastwirt hatte im Prozess hohe Schulden als sein Motiv geschildert. Er habe damals allein 120 000 Euro Umsatzsteuer nachzahlen sollen. Er stehe nunmehr vor dem selbst verschuldeten Ruin, nachdem er sich 30 Jahre lang in Deutschland vom Tellerwäscher hochgearbeitet habe.

Einer der Handlanger war bei einer Verpuffung am Tatort schwer verletzt worden. Bei dem 30-Jährigen aus Stade (Niedersachsen) ist ein Drittel der Hautoberfläche verbrannt, seine rechte Hand ist nur eingeschränkt einsatzfähig. "Das ist ein Andenken, das werden Sie nie wieder los", sagte der Richter zu dem Türsteher. Der Angeklagte habe ohne eine konkrete Vorstellung von der Wirkung rücksichtslos das Benzin im Restaurant verschüttet. Nur durch Glück seien die Nachbarn des Tatorts unverletzt davongekommen.

Der Mann hatte seinen Mitbewohner (28) zum Mitmachen überredet - und einen Fahrer, den ein eigenes Strafverfahren erwartet. "Sie haben zwei Unschuldige in die Tat hineingezogen", sagte der Vorsitzende. Der jüngere Komplize erhält dennoch eine ebenso lange Haft wie der 30-Jährige, weil er selbst einschlägig vorbestraft ist. Um ein teures Mammutverfahren zu verhindern, hatte das Gericht den Angeklagten in Absprache mit Staatsanwaltschaft und Verteidigern für Geständnisse Maximalstrafen von höchstens acht Jahren in Aussicht gestellt.

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