Geständnisse im Prozess um Großfeuer in Norderstedter Steakhaus

Im Prozess um den Großbrand in einem Wohnkomplex in Norderstedt bei Hamburg haben die drei Angeklagten zum Prozessbeginn vor dem Landgericht in Kiel ein rückhaltloses Geständnis abgelegt.

Kiel. Der 52 Jahre alte Betreiber eines Steakhauses räumte am Montag ein, er habe aus finanzieller Not den Auftrag zur Brandstiftung in seinem Restaurant erteilt. Zuvor hatte das Gericht den Angeklagten in Absprache mit Staatsanwalt und Verteidigern für die Geständnisse Strafmilderung und Maximalstrafen von höchstens acht Jahren in Aussicht gestellt.

Der 52-Jährige gab an, er habe eine hohe Versicherungssumme kassieren wollen. Wegen seiner Schulden - er habe allein rund 120 000 Euro Umsatzsteuer nachzahlen sollen - habe er nicht mehr ein noch aus gewusst. Über seinen Anwalt erklärte er weiter, er bereue seine Schuld. Er stehe nun vor dem selbst verschuldeten Ruin, nachdem er sich 30 Jahre lang in Deutschland vom Tellerwäscher hochgearbeitet habe. Bei dem Großfeuer in der Nacht zum 20. Juli 2006 waren 120 Feuerwehrleute im Einsatz. Mehrere Bewohner mussten über Drehleitern vor den Flammen gerettet werden. Dabei entstand Millionenschaden. Alle Angeklagten beteuerten, sie hätten keine Menschen gefährden wollen.Der Gastwirt erklärte, der Gedanke zur Brandstiftung sei ihm gekommen, weil das Lokal 1991 schon einmal durch Brandstiftung in Flammen aufging. Die Täter waren nie entdeckt worden. Die Versicherungen hätten damals gezahlt. Der von ihm beauftragte mitangeklagte 30-jährige Gelegenheitsarbeiter aus Stade gestand, die Tat ausgeführt zu haben. Er habe dafür bis zu 4000 Euro kassieren sollen. Bei der Brandstiftung sei er lebensgefährlich, sein Mittäter, ein 28 Jahre alter Mitbewohner, leichter verletzt worden.

Die im Lokal verschütteten rund 30 Liter Benzin hätten sich beim ersten Versuch nicht entzündet und seien dann explodiert, schilderte der Angeklagte. Trotz der schweren Brandverletzungen seien er und der 28-Jährige noch nach Hause gefahren und erst Stunden später ins Krankenhaus gegangen. Er habe seinen Mitbewohner erst kurz vor der Tat überredet, ihn zu begleiten und Wache zu schieben, sagte der 30- Jährige. Außerdem habe er einen Bekannten als Fahrer geworben, da er selbst keinen Führerschein habe.

Zur Tatzeit hätten er und sein Mitbewohner unter Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden und anschließend ihre Schmerzen mit Kokain betäubt. Der als Jugendlicher bereits einschlägig vorbestrafte 28-Jährige sagte, er habe die Tat aus Dummheit mitgemacht. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. Dann werden auch Plädoyers und Urteil erwartet.

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