Statistisches Bundesamt: Geringster Zuwachs bei Tarifgehältern seit 1995

Arbeitnehmer haben immer weniger Geld

Im vergangenen Jahr sind die Löhne und Gehälter gestiegen. Stärker noch kletterte allerdings die Inflation, sodass für viele Deutsche unter dem Strich sogar weniger übrig blieb als noch im Jahr 2005.

Wiesbaden. Die Inflation in Deutschland stieg 2006 das zweite Jahr in Folge stärker als die durchschnittlichen Tariflöhne und Gehälter. Dies teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Die Gehaltszuwächse bei Angestellten in Höhe von 1,2 Prozent seien sogar der geringste Anstieg seit 1995. Kaum besser ging es Arbeitern, die anstelle von Monatsgehältern zumeist einen Stundenlohn beziehen. Ihre Tariflöhne legten im Schnitt um 1,5 Prozent zu.

Die Zuwächse reichten nicht aus, den gleichzeitigen Anstieg der Verbraucherpreise zu kompensieren. Im Gegenteil: Bei einem Inflations-Anstieg um 1,7 Prozent verfügten viele Beschäftigte real sogar über weniger Kaufkraft als im Jahr 2005. Bereits damals sank das Realeinkommen um etwa 0,7 Prozent, weil dem Inflations-Anstieg von 2 Prozent nur Lohnzuwächse von 1,2 Prozent und Gehaltssteigerungen von 1,3 Prozent gegenübergestanden hatten.

Für den einzelnen Arbeitnehmer haben die statistischen Zahlen allerdings nur eine eingeschränkte Aussagekraft, weil die Entwicklung in unterschiedlichen Branchen stark variierte. So konnten sich Eisenbahn-Angestellte 2006 über ein deutliches Gehaltsplus von 4,5 Prozent freuen. Im Schienenfahrzeugbau gab es 3,8 Prozent mehr Geld. Mit einem Plus von 1,9 Prozent lag der Anstieg bei den Beschäftigten im Metallgewerbe ebenfalls über der Inflationsrate. Deutlich geringere Tariferhöhungen gab es in der Energieversorgung mit plus 0,8 Prozent und im Einzelhandel mit plus 0,4 Prozent. Gar keine Tariferhöhung erhielten Angestellte bei Bund, Ländern und Gemeinden.

Überdurchschnittliche Tariferhöhungen bekamen Arbeiter im Luft- und Raumfahrzeugbau (4,8 Prozent), in der Büromaschinenherstellung (3,7 Prozent) sowie im Maschinenbau (3,3 Prozent) und im Metallgewerbe (3,2 Prozent). Ein nur geringes Plus von jeweils 0,8 Prozent gab es bei den Stundenlöhnen im Bergbau und Holzgewerbe sowie im Druckgewerbe mit 0,5 Prozent. Ein Minus von 0,8 Prozent mussten die Arbeiter im Baugewerbe hinnehmen. Bei Bund, Ländern und Gemeinden sanken die Tariflöhne ebenfalls (- 0,2 Prozent). Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sei dies auf die Erhöhung der Wochenstunden ohne Lohnausgleich zurückzuführen.

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