Handball WM

Ritterschlag für den Routinier Christian Schwarzer

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Dortmund. Vor dem entscheidenden Kampf um den Einzug in das Viertelfinale der Handball-Weltmeisterschaft erhielt Nachrücker Christian Schwarzer den Ritterschlag. "Er ist erstmal gesetzt in der Mannschaft", sagte Bundestrainer Heiner Brand und gab seinem reaktivierten Weltklasse-Kreisläufer eine Stammplatzgarantie. Für Brand und die gesamte Auswahl ist der "Oldie" aus Lemgo schon nach zwei Spielen in der Hauptrunde unverzichtbar geworden. "Er ist natürlich eine Persönlichkeit. Durch die Mannschaft ist nochmal ein Ruck gegangen, als er gekommen ist", meinte Rückraum-Ass Pascal Hens vor dem Hauptrundenspiel der Deutschen am Samstag (16.30 Uhr) in Dortmund gegen Europameister Frankreich.

Von allen wird Schwarzer für seinen Einsatz, für seine Motivation und für seine Einstellung gelobt. "Er ist Motivator, er sorgt für gute Stimmung in der Mannschaft. Mit seiner Einstellung reißt er die Leute mit. Man hat gesehen, dass er uns sehr weiter hilft", sagte Hens. Für Brand ist "Blacky" dagegen ein Phänomen. "Er bewegt sich in der Mannschaft, als wäre er nie weg gewesen. Von daher ist das sensationell", urteilte der Bundestrainer über Schwarzer.

Der 37-jährige Schwarzer selbst sieht sich in seiner Rolle viel unaufgeregter - als Helfer in der Not, der dem verletzten Andrej Klimowets (Kronau/Östringen) den Platz streitig machen wollte. "Ich habe immer gehofft und die Daumen gedrückt, dass alle gesund bleiben", sagte der Lemgoer. "Aber im Sport ist eben nichts vorhersehbar." So kam es zum Rücktritt vom Rücktritt.

Nach seinem Abschiedsspiel am 19. Oktober 2004 hatte Schwarzer vor, nie wieder das Nationaltrikot anzuziehen. "Es war immer eine große Ehre, sein Land zu vertreten. Aber es war der Zeitpunkt gekommen abzutreten. Meine Familie hat mich so viel machen lassen und mich immer unterstützt, dass ich gesagt habe: Jetzt ist mal meine Familie dran. Ich habe den Rücktritt nie bereut", bekannte der Auswahlspieler wider Willen.

In seinen Länderspielen 304 und 305 musste er sich sogar noch mit einer neuen Rolle anfreunden. Denn im Wechselspiel mit Abwehrchef Oliver Roggisch (Magdeburg) hielt Schwarzer im Deckungszentrum die Defensive zusammen, obwohl ihm diese Position fast fremd ist. "Ich spiele da, wo der Bundestrainer mich hinstellt. Abwehrarbeit ist Kampf, Leidenschaft und Spaß. Und dann kann man auch mal eine andere Rolle ausfüllen", verriet er.

Und so demonstriert der Lemgoer, der so spektakulär wie kein Zweiter am Kreis agiert, in jeder Partie Lust auf Handball und die WM. "Ich wäre nicht gekommen, wenn es nicht Spaß machen würde, hier zu spielen. Und für einen Leistungssportler gibt es nichts schöneres, als eine WM im eigenen Land zu spielen", gab "Blacky" zu.