Der Fall Kurnaz: "Stern" und "BILD" mit überraschenden Enthüllungen

Medienberichte lassen Schuldfrage in neuem Licht erscheinen

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Nach Angaben des „stern“ sollen sich die USA sogar über das deutsche Einreiseverbot für den ehemaligen Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz beschwert haben. Die BILD-Zeitung meldet unterdessen, dass Kurnaz bei seiner Festnahme keineswegs unschuldig war.

Hamburg. Nachdem der CIA-Sonderausschuss des Europaparlements ein Angebot der USA über die Freilassung von Murat Kurnaz aus dem US-Gefängnis Guantanamo am Dienstag bestätigt hat, heizten am Mittwoch zwei neue Meldungen die Affäre um den "Bremer Taliban" weiter an. So bereichtet das Hamburger Magazin "stern" in seiner neuesten Ausgabe, dass sich der Leiter der US-Nachrichtendienste im November 2002 in München sogar bei einem hochrangigen Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) über das Einreiseverbot für Kurnaz beschwert habe.

Zuvor hatte das Blatt bereits berichtet, bei einer so genannten Präsidentenrunde der deutschen Sicherheitsbehörden am 29. Oktober 2002 sei beschlossen worden, Kurnaz die Einreise nach Deutschland zu verbieten. Den Vorsitz habe der damalige Kanzleramtschefs Frank-Walter Steinmeier (SPD) gehabt. Noch am Dienstag hatte der heutige Bundesaußenminister erklärt, es sei ihm kein "offizielle Angebot" der USA für die Rückkehr von Kurnaz nach Deutschland bekannt.

Unterdessen lässt ein Bericht der BILD-Zeitung den Fall Kurnaz in einem neuen Licht erscheinen. Demnach soll Kurnaz Ende 2001 sehr wohl mit terroristischen Absichten nach Pakistan gereist sein. Dies sei die "übereinstimmende Überzeugung des Landeskriminalamtes und des Verfassungsschutzes in Bremen", schreibt die BILD-Zeitung in ihrer Mittwochausgabe. Sie zitiert einen Vermerk des LKA Bremen vom Mai 2002, wonach "Grund zu der Annahme besteht, dass Kurnaz nach Pakistan gereist ist, um von dort aus an der Seite der Taliban in Afghanistan gegen die USA zu kämpfen".

Einem Freund, der Kurnaz damals habe begleiten sollen, aber bereits am Frankfurter Flughafen verhaftet worden sei, bescheinige das LKA "erkennbar hohe Gewaltbereitschaft". Die BILD berichtet unter Berufung auf die Ermittler weiter, dass das Flugticket von Kurnaz von Frankfurt nach Karachi mit einer EC-Karte eines weiteren Freundes bezahlt worden sei. Aus abgehörten Telefongesprächen wüssten die Ermittler, dass dieser Freund Kontakt zu den radikalislamischen Taliban gehabt habe.