Irak-Krise: Video-Botschaft an Amerika

Al-Qaida-Vize verhöhnt Bush

George W. Bush hat angekündigt, 20 000 zusätzliche Soldaten in den Irak zu schicken. Die Antwort kam per Video: Aiman al-Sawahiri, Top-Terrorist und Nummer zwei von Al-Qaida, verspottet den amerikanischen Präsidenten: „Warum entsenden Sie nicht 50 000 oder 100 000 Soldaten.“

Dubai. Der Vize-Chef des Terrornetzwerks Al-Qaida, Aiman al-Sawahiri, hat sich erneut mit einer Videobotschaft an die USA gewandt. Der Stellvertreter Osama bin Ladens verhöhnt in der am Dienstag im Internet veröffentlichten Rede die neuen Irak-Pläne von US-Präsident George W. Bush. Bush solle statt der mehr als 20 000 zusätzlichen Soldaten doch gleich seine ganze Armee in den Irak schicken, schlug Sawahiri vor. "Der Irak, das Land des Kalifats und des Heiligen Krieges, ist in der Lage, Grab für zehn Ihrer Armeen zu sein." Auch in Afghanistan und Somalia würden die USA scheitern, prophezeite Sawahiri.

"Warum entsenden Sie nicht 50 000 oder 100 000 Soldaten", fragt Sawahiri Bush in der 15-minütigen Aufnahme. "Wissen Sie nicht, dass die irakischen Hunde ungeduldig darauf warten, die Überreste Ihrer Soldaten zu verschlingen?" Der US-Präsident hatte vor kurzem seine neue Irak-Strategie vorgestellt, die die Entsendung von 21 500 zusätzlichen Soldaten vorsieht. In seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation vor beiden Häusern des Kongresses wollte Bush am Dienstag (Ortszeit) um Zustimmung für seine Pläne werben, die selbst von seinen republikanischen Parteifreunden scharf kritisiert werden.

"Es ist die Pflicht eines Muslim, Waffen zu tragen" Al-Qaida und die Taliban hätten dafür gesorgt, dass die USA nicht auf einen "sicheren Hafen" in Afghanistan zählen könnten, sagte Sawahiri weiter. "Die Sicherheit muss geteilt werden: Wenn wir sicher sind, werden sie es auch sein. (...) Wenn wir getroffen und getötet werden, werden sie unausweichlich auch getroffen und getötet werden." Heutzutage sei es die Pflicht eines jeden Muslim, "Waffen zu tragen, oder die zu unterstützen und ihnen zu dienen, die Waffen tragen". Sawahiri warf den USA in seiner Videobotschaft zudem vor, hinter der Stationierung äthiopischer Truppen in Somalia zu stehen. Die islamistischen Milizen würden den Äthiopiern "das Rückgrat brechen", kündigte er an. Bush habe seine "äthiopischen Sklaven in ein wahres Desaster" geführt. In einer Anfang Januar veröffentlichten Botschaft hatte Sawahiri die somalischen Islamisten aufgefordert, wie die Aufständischen im Irak und Afghanistan vorzugehen. Die USA hatten vor kurzem ein mutmaßliches Al-Kaida-Versteck in Somalia bombardiert. Dabei waren nach US-Angaben mindestens acht Menschen getötet worden.

Zunächst war unklar, wann das Video mit Sawahiri aufgenommen wurde. Auch die Authentizität der Aufnahme konnte von unabhängiger Seite zunächst nicht bestätigt werden. Der Stellvertreter bin Ladens meldet sich immer wieder auf diese Weise zu Wort. Der in Ägypten geborene Al-Qaida-Vize gilt als ideologischer Vordenker der Terrorgruppe. Auf Hinweise, die zu seiner Verhaftung oder seinem Tod führen, haben die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt.

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