20 Jahre nach Tod der Ehefrau: Anklage fordert Lebenslänglich für Ex-Mann

Staatsanwalt: Das Motiv war Habgier

Im Prozess gegen den Schlachter, der vor mehr als 20 Jahren seine Ex-Frau umgebracht hat, plädierte die Anklage am Montag vor dem Hamburger Landgericht auf Mord und forderte die Höchststrafe.

Hamburg. Der heute 65 Jahre alte Horst-Peter G. habe seine getrennt von ihm lebende Frau im November 1986 aus Habgier mit einem Kissen erstickt, begründete der Staatsanwalt seinen Strafantrag. Der Angeklagte habe "um jeden Preis" das gemeinsame Haus behalten wollen, das er bei einer Scheidung verloren hätte.

Der Schlachter war ursprünglich nur wegen Totschlags angeklagt worden. Er selbst hatte die Tötung seiner Frau als "Unglücksfall" beschrieben. Diese Darstellung hielt der Staatsanwalt nach der Aussage eines Sohnes, der damals zum Augenzeugen der Tat geworden war, jedoch für falsch. Vielmehr habe der Angeklagte vorsätzlich gehandelt. Dagegen versuchte der Verteidiger, den Zeugen als unglaubwürdig darzustellen. Er bewertete den Fall als fahrlässige Tötung und plädierte auf eine Einstellung des Verfahrens, weil die Tat verjährt sei.

Der Sohn, der als 16-Jähriger den Tod der Mutter miterleben musste, konnte sein mehr als zwei Jahrzehnte währendes Schweigen vor Gericht nicht erklären. "Ich mache mir noch heute Vorwürfe", sagte der heute 36-Jährige. Er habe unter dem Geheimnis gelitten und sei immer verschlossener geworden. Dem Vater warf er vor, die Familie schikaniert und kaputt gemacht zu haben.

Der Angeklagte selber bezeichnete den Prozess als "Racheakt" seiner Söhne. Er äußerte kein Bedauern über die Tat. Seine Frau sei eine Säuferin gewesen und habe sich nicht an die ärztlichen Anweisungen gehalten. Der Anwalt des 65-Jährigen ermahnte seinen Mandanten, nicht schlecht über Tote zu reden. Das Urteil soll am Mittwoch verkündet werden.