Abbas-Vertreter führen Gespräche mit Hamas-Führer Maschaal

Ismail Hanija fordert ein Ende der Gewalt zwischen Fatah und Hamas. Unterdessen wird US-Außenministerin Rice morgen im Nahen Osten erwartet.

Ramallah. Im Ringen um die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit haben Vertreter des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und Hamas-Führer Chaled Maschaal erste Erfolge erzielt. Beide Seiten führten seit zwei Wochen geheime Gespräche in Syrien, teilte ein Gewährsmann am Samstag in Ramallah mit. Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija forderte die Hamas und die Fatah in einer Fernsehansprache auf, ihre Streitigkeiten zu beenden. Die Kämpfe haben in den vergangenen Wochen 35 Menschen das Leben gekostet.

Für eine weitere Verhandlungsrunde mit Maschaal reisten am Samstag die Abgeordneten Siad Abu Amr und Mohammed Raschid nach Damaskus. Abbas wird Ende Januar in der syrischen Hauptstadt erwartet. Sollte es zu einer Vereinbarung mit der Hamas kommen, werde er auch mit Maschaal zusammentreffen, hieß es in Ramallah. Der Präsident reiste am Samstag zu Gesprächen mit König Abdullah nach Jordanien. Am morgigen Sonntag ist ein Treffen mit US-Außenministerin Condoleezza Rice im Westjordanland geplant. Rice wird außerdem in Jerusalem, Ägypten, Jordanien, Kuwait und Saudi-Arabien Gespräche führen. Nach Abschluss ihrer Nahost-Gespräche will Rice über die Ergebnisse in London und Berlin berichten. Am 19. Januar wird sie in Washington zurückerwartet.

Hamas und Fatah streben seit Monaten eine gemeinsame Regierung an, streiten aber über das politische Programm und wichtige Kabinettsposten. Nach Angaben eines ranghohen Hamas-Mitglieds zeichnet sich inzwischen ab, dass der ehemalige Finanzminister Salam Fajjad, der der Fatah nahe steht, den Posten wieder übernimmt. Abu Amr würde das Amt des Außenministers erhalten, Hanija soll Regierungschef bleiben. Über das Regierungsprogramm und die Kontrolle über weite Teile der Sicherheit gebe es allerdings noch keine Einigung, hieß es.

Die Gewerkschaft der Staatsbediensteten beendete unterdessen einen viermonatigen Streik wegen ausstehender Gehälter. Die Autonomiebehörde beschäftigt rund 165.000 Palästinenser und konnte wegen eines internationalen Boykotts gegen die Hamas Löhne nur zum Teil auszahlen. Die meisten Beschäftigten hatten schon vor der Gewerkschaftsankündigung im Dezember ihre Arbeit wieder aufgenommen.