Misshandelte Dreijährige aus Großenkneten auch sexuell missbraucht

Das schwer misshandelte dreijährige Mädchen aus Großenkneten bei Oldenburg ist vermutlich vom Freund der Mutter auch immer wieder sexuell missbraucht worden. Gerichtsmediziner stellten Verletzungen am ganzen Körper des Mädchens fest.

Diese seien auf "massive Gewalteinwirkungen" zurückzuführen, teilte die Staatsanwaltschaft Oldenburg am Montag mit. Zudem gebe es Anhaltspunkte für wiederholten sexuellen Missbrauch. Die Familie ist dem Jugendamt nach einem ersten Hinweis aus der Bevölkerung seit Anfang November bekannt gewesen und mehrmals kontrolliert worden. Das berichtete das niedersächsische Sozialministerium.

Erst im Oktober war in Bremen der zweijährige Kevin tot im Kühlschrank seines drogensüchtigen Ziehvaters gefunden worden. Er soll den Jungen immer wieder schwerst misshandelt haben.

Das dreijährige Mädchen aus Großenkneten ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft schwer traumatisiert. Es wird an einem geheimen Ort psychologisch betreut. Der 30 Jahre alte Lebensgefährte war am 8. Dezember 2006 in Hamburg festgenommen worden, er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Es werde derzeit geprüft, ob und was die Mutter von den Misshandlungen ihres Kindes gewusst habe, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Nach Auskunft der vom Familiengericht bestellten Verfahrenspflegerin, Marion Erdmann, wurde der Mutter bereits im Dezember das Sorgerecht entzogen. "Die Verletzungen waren so massiv und augenscheinlich, dass die Mutter es gewusst haben muss, dass das Kind körperlich misshandelt worden ist", sagte sie. Nach Darstellung des niedersächsischen Sozialministeriums ist der Aufenthalt der Mutter nicht bekannt.

Ein Hinweis eines Zeugen hatte die Polizei auf die Spur des 30 Jahre alten Freundes der Mutter gebracht. Der Tatverdächtige hatte zusammen mit der Mutter und dem Kind am 7. Dezember 2006 das Geschäft des Mannes betreten. Ihm fiel auf, dass das Kind Schwellungen im Gesicht hatte und verängstigt wirkte. Der Zeuge sprach den 30- Jährigen auf die Verletzungen an, dieser konnte aber keine vernünftige Erklärung nennen. Daraufhin merkte sich der Geschäftsmann das Autokennzeichen und informierte die Polizei. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg dauern an.

Nach Darstellung des Sozialministeriums in Hannover war zunächst einer Bürgerin aufgefallen, dass das Mädchen eine sichtbare Entzündung der Ohrmuschel hatte. Die Frau habe das Jugendamt informiert, sagte der Ministeriumssprecher. Dann sei unmittelbar nach dem Hinweis ein Hausbesuch bei der Familie durchgeführt und die sofortige medizinische Behandlung des Kindes in einer Klinik veranlasst worden.

Bei den darauf folgenden Hausbesuchen, die laut Ministerium zwei Mal die Woche stattfanden, trafen die Vertreter des Jugendamtes die Mutter und das Kind nicht immer an. Ende November sollte dann das Familiengericht eingeschaltet werden, weil eine ärztliche Kontrolle des Mädchens vorgenommen werden sollte, die Mutter aber nicht anzutreffen war. Dann kam der Hinweis des Geschäftsmannes und der Lebensgefährte der Frau wurde festgenommen.

Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) sprach sich dafür aus, die Inhalte der Vorsorgeuntersuchungen zu verändern, damit Kinder gezielt auch auf Vernachlässigung und Missbrauch überprüft werden. "Das Untersuchungsschema aus den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts muss modernisiert werden. Es geht um mehr als Gewicht, Größe und Infektionskrankheiten", sagte Ross-Luttmann. Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD) sagte: "Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens".