Irak: Bush wechselt Führungsriege aus

Botschafter, Kommandeur und Stabschef sollen gehen

Wenige Tage vor der Vorstellung seiner neuen Irak-Strategie plant US-Präsident George Bush, die militärische Führung im Irak auszutauschen.

Washington. Der amerikanische Botschafter in Bagdad, Zalmay Khalilzad, soll gehen. Er wird sein Land künftig bei den Vereinten Nationen vertreten, wie aus Regierungskreisen in Washington verlautete. Sein Nachfolger soll demnach der bisherige US-Botschafter in Pakistan, Ryan Crocker, werden. Spekuliert wird außerdem über eine Ablösung der Generäle John Abizaid und George Casey.

Abizaid, der oberste US-Kommandeur im Mittleren Osten und damit zuständig für den Irak und Afghanistan, soll nach Medienberichten von Admiral William Fallon ersetzt werden, der zurzeit die Pazifik-Flotte kommandiert. Casey, der Stabschef im Irak, würde demnach voraussichtlich von Generalleutnant David Petraeus abgelöst. Letzterer war federführend am Ausbildungsprogramm für irakische Sicherheitskräfte beteiligt.

Die personellen Veränderungen stehen im Zusammenhang mit der neuen Irak-Strategie, die Bush nach Angaben des Weißen Hauses in der kommenden Woche vorstellen will. Ziel sei es, den Irakern zu einem Land zu verhelfen, "das sich selbst regieren, erhalten und verteidigen kann", sagte Bush am Donnerstag nach einer fast zweistündigen Videokonferenz mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki.

Zur Befriedung der Lage vor Ort erwägt die US-Regierung Beobachtern zufolge eine kurzfristige Aufstockung der rund 140 000 US-Soldaten um weitere 8000 bis 9000 Mann. Über ein solches Vorhaben hatten sich sowohl Abizaid als auch Casey skeptisch geäußert.

Bei ihrem Besuch in Washington sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), trotz der Differenzen beim Irak-Krieg verfolgten die USA und Deutschland dort gleiche Ziele. Auch wenn sich Berlin nicht militärisch beteiligt habe, sei die Bundesregierung an einer friedlichen Entwicklung im Irak interessiert und werde dies politisch nach Kräften unterstützen.

Kritik kam unterdessen aus Frankreich. Präsident Jacques Chirac erhob wegen der seiner Ansicht nach verheerenden Auswirkungen des Irak-Kriegs Vorwürfe gegen die USA. "Wie Frankreich vorhergesagt hat, hat der Krieg zu Umbrüchen geführt, deren Effekte noch nicht abzuschätzen sind", sagte Chirac in einer Neujahrsansprache an die Botschafter seines Landes. Er warf Bush ein "Abenteuer" vor, mit dem er dem Terrorismus zu einem neuen Verbreitungsfeld verholfen habe. Oberste Priorität müsse nun sein, den Irakern die volle Souveränität über ihr Land zurückzugeben.