Containerboom verwandelt den Norden für Jahre in Großbaustelle

| Lesedauer: 3 Minuten

Der boomende Welthandel bringt die deutschen Seehäfen und das Hinterland zunehmend an die Grenzen ihrer Infrastruktur.

"Bis 2012 müssen die Wirtschaft, der Bund und die Küstenländer mehr als 12 Milliarden Euro in Umschlagsanlagen und Verkehrswege investieren, um die wachsenden Gütermengen aufzufangen", sagt der Geschäftsführer des Zentralverbandes der Seehäfen (ZDS), Klaus Heitmann. Obwohl für die meisten Projekte laut Heitmann die Weichen bereits gestellt sind, drängt die Zeit: "Weltweit stauen sich die Schiffe bereits in den Häfen."

Lkw-Schlangen auf der Autobahn A1 zwischen Bremen und Hamburg; Staus auf den Hafenzufahrten in Bremerhaven und Hamburg; bis aufs Äußerste ausgereizte Belegungspläne für die Schiffsplätze an den Kais - das ist heute die Realität in den Containerhäfen. Allein Bremerhaven verzeichnete in 2006 ein Umschlagsplus von 20 Prozent auf knapp mehr als vier Millionen Container; Hamburg kam mit 9,1 Prozent Zuwachs auf knapp neun Millionen Tonnen. "Wir können uns vor Boxen nicht mehr retten", sagt die Sprecherin der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), Ina Klotzhuber.

Der Boom verwandelt die Küste in eine Großbaustelle. Für rund 500 Millionen Euro lässt das Land Bremen in Bremerhaven gerade einen neuen Containerterminal bauen, um die Umschlagskapazität bis 2008 zu verdoppeln. Obwohl der erste von vier Schiffsliegeplätzen neun Monate früher fertig wurde als geplant, drängelt der Chef der Hafengesellschaft bremenports, Jürgen Holtermann: "Der Markt ruft dringend nach neuen Kapazitäten."

Rund 1,2 Milliarden Euro will die HHLA bis 2012 investieren, um kurzfristig die Kapazitäten ihrer drei bestehenden Containerterminals zu erhöhen. Die Zeit für den Neubau eines Umschlagsplatzes im ehemaligen Freihafengebiet wäre zu lang: "Allein das Genehmigungsverfahren dauert zehn Jahre", klagen Kritiker aus der Hafenbranche.

Mit der Zeit haben auch die Planer der Verbindungswege in die Häfen zu kämpfen. "Es ist ein Unding, dass das vorbereitende Verfahren mehr Zeit in Anspruch nimmt als der Bau des gesamten Kanals im vorigen Jahrhundert", stöhnte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) im vergangenen Herbst vor Journalisten über den langwierigen Planungsprozess für den Ausbau des Nord-Ostsee- Kanals (NOK) bei Kiel.

Durch 130 Millionen Euro teure Vorhaben sollen auch 280 Meter lange Schiffe den bislang auf 235 Meter Länge begrenzten Kanal passieren können. "Das ist für uns entscheidend, damit auch größere Feederschiffe aus der Ostsee uns erreichen können", sagt der Entwicklungschef für den geplanten Jade-WeserPort in Wilhelmshaven, Helmut Werner. Knapp eine Milliarde Euro wollen die Länder Bremen und Niedersachsen sowie der Hafenbetreiber Eurogate in den neuen Tiefwasserhafen an der Jade investieren, der ab 2010 die nächste große Containerdrehscheibe werden soll.

Damit die richtig rotieren kann, ist der Jade-Weser-Port wie Hamburg und Bremen zudem auf ausreichende Straßen- und Schienenverbindungen angewiesen. Immerhin hat Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) angekündigt, in den kommenden Jahren insgesamt 5,1 Milliarden Euro in die norddeutschen Auto- und Eisenbahn-Strecken investieren zu wollen. "Damit sind die wichtigsten Projekte für die Häfen auf einen guten Weg gebracht", freut sich ZDS- Geschäftsführer Heitmann.

Projekte wie die Hafenquerspange zwischen der A1 und der A7 in Hamburg oder die Küstenautobahn A22 von der Elbe bis zur niederländischen Grenze sind aber noch nicht in dem Ausbauprogramm enthalten. Über manchem Vorhaben schwebt zudem noch das Damokles- Schwert des Genehmigungsverfahrens. Gegen die Elbvertiefung, für Hamburg eines der Schlüsselprojekte zur Bewältigung der wachsenden Container-Seeverkehre, hat die Stadt Cuxhaven bereits eine Klage angedroht.

( dpa/lno )