Nach Übergabe an an die irakischen Behörden

Baldige Hinrichtung Saddams immer wahrscheinlicher

Drei Tage nach Bestätigung des Todesurteils gegen Saddam Hussein berichtete der US-Nachrichtensender CNN am Freitag unter Berufung auf US-Behörden in Bagdad, Saddam sei aus US-Gewahrsam an die irakischen Behörden übergeben worden.

Bagdad. Damit könnte das Todesurteil gegen den 69-Jährigen noch vor Beginn des islamischen Opferfestes am Samstag vollstreckt werden.

Die irakische Verfassung verbietet Hinrichtungen während islamischer Feiertage. Das Opferfest ist das zweitwichtigste Fest im Islam und dauert vier Tage.

Die Anwälte Saddams waren am Freitag außerdem von den US-Behörden aufgefordert worden, die persönlichen Dinge des Todeskandidaten aus dem Gefängnis abzuholen. Das galt auch die Habe seines ebenfalls zum Tode verurteilten Halbbruders Barsan al-Tikriti. Saddam stand seit seiner Entdeckung in einem Erdloch Ende 2003 unter amerikanischer Bewachung.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki erklärte in Bagdad, es gebe keinen Weg zurück mehr. Saddam werde hingerichtet. Dagegen warnte die UN-Kommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour, die irakischen Behörden wegen der rechtlich umstrittenen Grundlagen des Verfahrens vor einem schnellen Vollzug des Todesurteils. Nach irakischem Recht muss ein Todesurteil 30 Tage nach Bestätigung vollstreckt werden.

Der jemenitische Ministerpräsident, Abdelkadir Ba Dschammal, appellierte an US-Präsident George W. Busch und das irakische Staatsoberhaupt Dschalal Talabani, Saddams Hinrichtung zu verhindern. Die Vollstreckung des Todesurteils werde zur Zunahme der Gewalt im Irak führen und "negative Auswirkungen" für die USA in der Region haben, schrieb der jemenitische Regierungschef laut der Agentur SABA.

Das Oberste irakische Kriminalgericht hatte am Donnerstag mit der Veröffentlichung des Todesurteils gegen den irakischen Ex-Präsidenten das Vollstreckungsverfahren eingeleitet. Anwalt Duleimi berichtete, als ein Mitglied des Anwaltsteams Saddam die Nachricht überbrachte, habe dieser geantwortet, es sei nichts anderes von "diesem Feind, der den Irak und die gesamte Region zerstören will", zu erwarten gewesen. In einem am Mittwoch bekannt gewordenen Brief vom 5. November hatte Saddam geschrieben, er wolle sich als "Märtyrer" opfern.

Das Sondertribunal für die Verbrechen des alten Regimes in Bagdad hatte Saddam, Barsan al-Tikriti und den früheren Richter Awad al- Bandar am 5. November wegen der Ermordung von 148 angeblichen Verschwörern in der schiitischen Kleinstadt Dudschail 1982 zum Tode durch den Strang verurteilt. Am vergangenen Dienstag hatte ein Berufungsgericht die Todesurteile bestätigt.

Bei einem Anschlag rund 60 Kilometer nordwestlich Bagdads starben derweil mindestens zehn Gläubige, als sich ein Selbstmordattentäter nach dem Freitagsgebet vor einer schiitischen Moschee in die Luft sprengte. Mindestens elf weitere Iraker wurden verletzt. In der südirakischen Stadt Basra kam ein britischer Soldat ums Leben, als am Straßenrand ein Sprengsatz detonierte. US-Soldaten töteten nach eigenen Angaben bei mehreren Razzien in Bagdad und Saddams Heimatprovinz Salahuddin sechs mutmaßliche Terroristen.

Derweil ließ das US-Militär nach Angaben des irakischen Außenministerium zwei iranische Diplomaten frei. US-Soldaten hatten die beiden bei einer Razzia in der vergangenen Woche unter dem Verdacht festgenommen, an der Vorbereitung von Bombenanschlägen beteiligt gewesen zu sein. Teheran hatte massiv gegen die Festnahme der Diplomaten protestiert, die nach Angaben aus der Umgebung von Präsident Talabani auf dessen Einladung im Irak waren.