Wann wird es mal wieder richtig Winter?

Wo ist der Winter, wenn man ihn am meisten braucht? Denn wann wünscht man sich schon Kälte, Schnee und Eis – wenn nicht an Weihnachten? Wir verraten wie das Wetter an den heiligen Tagen in unserer Hansestadt wird.

Hamburg. Ja, is denn heut’ scho Weihnachten? Die Frage samt Fragensteller ist bekannt. Eine Antwort ist diesmal allerdings nicht so einfach. Denn zu Weihnachten gehört traditionsgemäß der Winter. Und wenn es nach dem Kalender geht, befinden wir uns auch in der kalten Jahreszeit. Aber auch der untalentierteste Hobby-Meterologe wird zugeben: So richtig Winter ist es derzeit nun wirklich nicht. Für die einen ist es die Klimakatastrophe, für andere einfach nur zu warm. Fest steht: Weiß wird diese Weihnacht kaum noch werden können. Allenfalls Hellgrün. Weihnachtsgeschenke wie Schlittschuhe sind out. Unterm nadelnden Tannenbaum liegen jetzt Badeschlappen.

Laut Wetterbericht ist leider auch keine Änderung in Sicht: Schuld ist ein Hoch namens "Zeno". "Zeno" bringt an Heiligabend Nebel, vereinzelt Niederschläge aber keinen Schnee. Mit Temperaturen um die 8 Grad bleibt es für diese Jahreszeit erstaunlich warm. Die Sonne zeigt sich nur manchmal, die längste Zeit ist es bewölkt. Der Wind ist schwach und weht aus unterschiedlichen Richtungen. So bleibt es denn auch am 1. und 2. Weihnachtstag. Der Meteorologe nennt das Hochdruckwetter. Für uns heißt das: Es ändert sich nix, es bleibt wie es ist nämlich zu warm. Am besten hält man es mit Jörg Kachelmann. Der weiß bekanntlich viel übers Wetter und gesteht: "Mir ist das Wetter wurscht...Hauptsache, die Vorhersage stimmt..."

Wer unbedingt Ski fahren will, für den heißt es nicht einfach: Raus auf die Piste, sondern: Raus auf den Gletscher oder hoch in den Norden. Denn Schnee findet sich in diesen Tagen - außer auf Postkarten - allenfalls noch im Hochgebirge oder im Norden Skandinaviens

Der Mangel an Schnee ist aber nicht bloß so ganz und gar unweihnachtlich sondern unter Umständen auch gefährlich. Zündelt der Tannenbaum, kann man den brennenden Kegel heute nicht mehr durch einen beherzten Wurf in den verschneiten Garten löschen. Und die zwanzigste Wiederholung von Fräulein Smillas Gespür für Schnee fällt wohl aus. In vielen Regionen ist vom Wintersport nur das Après-Ski übrig geblieben. Traurig sinnieren verhinderte Wintersportler über nutzlosen Skistöcken über alte Zeiten - beim Jagertee neben der Piste.

Leider kein Spaß: Durch den fehlenden Frost können Parasiten wie Zecken, Stechmücken oder Flöhe problemlos überwintern, um dann im Frühjahr zu einer großen Plage zu werden.

Weihnachtsstimmung ist daher in diesen Tagen eine Frage des Glaubens. Eine Frage der Technik: Heizung aus, Fenster auf, Ventilator an. Oh du Fröhliche auf volle Lautstärke und Räucherkerzen angezündet. Viele Räucherkerzen. So viele Räucherkerzen, damit man gänzlich eingenebelt, das stimmungstötende Grün vor den Fenstern nicht mehr sehen muss.

Und wem es dann noch nicht weihnachtet, dem hilft vielleicht die Tatsache, dass die Tage wieder länger werden und spätestens am 21. März beginnt der Frühling.

Wenn es nach dem Kalender geht.