Turkmenistan: Staatsoberhaupt erleidet Herzinfarkt

Saparmurad Nijasow ist tot

Der autoritäre Herrscher der Ex-Sowjetrepublik litt bereits seit längerem an Herzproblemen. Am Donnerstagmorgen verstarb der Despot im Alter von 66 Jahren.

Moskau/Aschchabat. Der turkmenische Präsident Saparmurad Nijasow ist tot. Das Staatsfernsehen von Turkmenistan berichtete nach Angaben der Agentur Interfax, Nijasow sei am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) im Alter von 66 Jahren an Herzversagen gestorben. Der zum Staatsführer auf Lebenszeit und "Vater aller Turkmenen" ernannte Nijasow regierte das zentralasiatische Land seit seiner Unabhängigkeit 1990.

Turkmenistan nach außen abgeschottet Unter seiner autoritären Herrschaft war die an Öl- und Gasvorkommen reiche Ex-Sowjetrepublik nach außen weitgehend abgeschottet. Nijasow, der bereits seit längerem an Herzproblemen litt, wurde von deutschen Ärzten behandelt. 1997 war ihm in einer Münchner Spezialklinik ein Bypass gelegt worden.

In internationalen Vergleichen über den Stand von Demokratie und Menschenrechten landet Turkmenien stets auf den hinteren Rängen. Von den enormen Gasvorkommen des Landes profitiert eine kleine Elite.

Bevor das Fernsehen den Tod bekannt gab, hatten bereits mehrere Regierungsvertreter davon berichtet. Ein Regierungsvertreter sagte, Nijasow sei "unerwartet" verstorben; ein anderer sprach von einem "traurigen Ereignis" an diesem Morgen. "Wir stehen alle unter Schock". Das Kabinett kam in Aschchabat zu einer Sondersitzung zusammen.

Beobachter erwarten chaotische Zustände Nijasow war der Alleinherrscher Turkmenistans: Er war gleichzeitig Regierungschef, Oberkommandierender der Armee, Vorsitzender der einzigen zugelassenen Partei, oberster Philosoph, Dichter und - ein Zeichen des Personenkults - "Führer aller Turkmenen" (Turkmenbaschi). Beobachter erwarteten nach dem Tod Nijasows chaotische Zustände in Turkmenistan. Seit langem hatte es Gerüchte über den schlechten Gesundheitszustand des Staatschefs gegeben, auch über Herzprobleme war spekuliert worden. Die Angelegenheit wurde jedoch höchst geheim behandelt.

Nijasow stammte aus armen Verhältnissen Nijasow stammte aus ärmsten Verhältnissen und wuchs in den Waisenhäusern der damaligen Sowjetrepublik auf. Er ließ sich zum Ingenieur ausbilden und stieg dann innerhalb der Kommunistischen Partei auf. 1985 erreichte er die KP-Spitze. Fünf Jahre später ließ er sich per Referendum mit 99 Prozent der Stimmen zum Präsidenten küren, noch zweimal wiederholt er die Prozedur, dann ließ er sich vom Parlament endgültig zum Präsidenten auf Lebenszeit ernennen.

Obwohl Turkmenistan über fünf Prozent der weltweiten Erdgasreserven verfügen soll, ist es eines der ärmsten Länder der ehemaligen Sowjetunion. Das Land steht wegen massiver Verstöße gegen Menschen- und Bürgerrechte seit langem in der Kritik. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte bei einem Besuch in Turkmenistan Anfang November die Demokratiedefizite in dem Land bemängelt. Trotz aller Kritik sucht der Westen die Annäherung an Turkmenistan, das wegen seiner strategischen Lage an der Grenze zu Iran und Afghanistan unter anderem im gemeinsamen Anti-Terror-Kampf von Bedeutung ist.