Irak-Krieg: US-Präsident will mehr Soldaten

Bush spricht nicht mehr vom Sieg

Mehr Soldaten zum weltweiten Kampf gegen islamische Terroristen gefordert. Kennedy gegen Truppenverstärkung im Irak.

Washington. US-Präsident George W. Bush hat zum ersten Mal eingeräumt, dass die USA den Krieg im Irak nicht gewinnen. "Wir gewinnen nicht, wir verlieren nicht", sagte Bush der "Washington Post". Noch vor den Kongresswahlen im November hatte der Präsident den Vereinigten Staaten stets einen Sieg in dem Golfstaat prophezeit. Damit übernimmt Bush jetzt die Sprachregelung seines neuen Verteidigungsministers Robert Gates. Auf die Frage, ob die USA im Irak einen Sieg davontragen, antwortete Gates bei einer Anhörung im US-Senat Anfang Dezember mit einem klaren "Nein".

Bush wird voraussichtlich im Januar eine neue Strategie seiner Regierung für den Irak präsentieren. Seine Republikanische Partei hat die Kongresswahlen unter anderem wegen der Kritik an dem Krieg in dem Golfstaat verloren. Am Dienstag räumte die US-Regierung ein, dass die Gewalt im Irak noch nie so schlimm gewesen sei wie in den vergangenen drei Monaten. Seit Beginn des Krieges im März 2003 sind fast 3000 US-Soldaten und mehr als 50 000 Iraker getötet worden.

Unterdessen erwägt der US-Präsident erwägt eine personelle Vergrößerung der Streitkräfte. Angesichts der Herausforderungen beim Kampf gegen den Terror sei er "geneigt zu glauben, dass wir unsere Truppenstärke ausbauen müssen", sagte Bush in einem Interview der "Washington Post", das die Zeitung auf ihrer Webseite veröffentlichte. Die Vereinigten Staaten müssten besser auf einen "langen Krieg" gegen den Terrorismus vorbereitet sein, sagte Bush. Zahlen nannte er jedoch nicht.

Bush sprach von einem "ideologischen Krieg", in den die USA verwickelt seien. Dieser "wird noch eine Weile dauern und wir werden Streitkräfte brauchen, die in der Lage sind, unsere Bemühungen zu unterstützen und die uns dabei helfen, einen Frieden zu erreichen". Konkret sprach sich Bush für Verstärkungen der Bodentruppen - Heer und Marineinfanterie - aus.

Er habe den neuen Verteidigungsminister Robert Gates beauftragt, zu prüfen, wie die Vergrößerung am besten umzusetzen sei, sagte der Präsident der Zeitung weiter. Er werde keine Entscheidung treffen, bevor Gates nicht den Irak besucht und mit US-Kommandeuren gesprochen habe.

Die Mannstärke der US Army (Heer) ist dem Bericht zufolge seit 2001 bereits von 482 000 auf heute 507 000 erhöht worden und soll noch weiter auf 512 000 Mann steigen. Diese Aufstockung sei jedoch nur vorläufig. Angesichts der Einsätze im Irak und Afghanistan fordere die Militärführung, diese zusätzlichen 30 000 Soldaten dauerhaft zu übernehmen und jährlich um weitere 7000 Mann aufzustocken, berichtet die Zeitung weiter. Dabei werde von jährlichen Kosten in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar (etwa 907 Millionen Euro) pro 10 000 zusätzliche Soldaten ausgegangen.

Am Wochenende hatte die "New York Times" berichtet, dass Bush angesichts der sich weiter verschärfenden Sicherheitslage im Irak die Entsendung von mehr als 20 000 zusätzlichen US-Soldaten erwäge. Demnach untersuchen die US-Stabschefs im Auftrag des Weißen Hauses Möglichkeiten, wie eine solche Truppenverstärkung verwirklicht werden könnte, berichtete die Zeitung unter Berufung auf hohe US-Regierungsbeamte.

Die sogenannte Baker-Kommission des US-Kongresses hatte vor kurzem dagegen unter anderem eine stärkere Übertragung der Verantwortung für die Sicherheit auf die irakischen Truppen und den Abzug der US-Kampftruppen bis zum Frühjahr 2008 empfohlen.

Auch hohe Generäle und Politiker haben in jüngster Zeit Bedenken gegen weitere Truppenverlegungen in den Irak geltend gemacht. Dies werde weitgehend ineffektiv sein, wenn diese Truppenverstärkung nicht von neuen politischen und wirtschaftlichen Schritten begleitet werde, warnen sie.

Der demokratische Senator Edward Kennedy sprach sich unterdessen gegen jede weitere Truppenverlegungen in den Irak aus. "Anstatt die Dinge besser zu machen, wird der Plan des Präsidenten, mehr Soldaten in den Irak zu schicken, die Sache dort nur noch schlimmer machen, so wie es auch viele Generäle sehen", sagte Kennedy. Vielmehr müsse es eine politische Lösung geben, die die verfeindeten Parteien zusammenbringe und bewirke, dass die Iraker die Zukunft in die eigene Hand nähmen. Der frühere Außenminister Colin Powell und der Befehlshaber der US-Streitkräfte im Irak, General John Abizaid, stimmten darin überein, dass neue Truppen diesen Prozess nur verzögern würden, sagte Kennedy und fügte hinzu: "Derzeit sind wir eine Krücke für die Iraker, und unsere Soldaten bezahlen den Preis dafür."

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