Polonium: Entwarnung in Hamburg

Kein Polonium bei untersuchten Angehörigen von Kowtun gefunden

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Nach der großen Aufregung um Polonium-Funde in Ottensen, kehrt nun langsam Ruhe in die Untersuchungen ein. Die Exfrau von Litvinenko-Kontaktmann Kowtun weist ebenso wie eines ihrer beiden Kinder und ihr Lebensgefährte keine Spuren des radioaktiven Gifts auf.

Hamburg. Die Ergebnisse für das zweite Kind stehen noch aus, sollen aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auch negativ ausfallen, wie die Sozialbehörde und das Bundesamt für Strahlenschutz erklärten. Darüber hinaus seien zwei Urinproben von Personen aus dem weiteren Bekanntenkreis ausgewertet worden, die aber ebenfalls keinen Hinweis auf eine Aufnahme von Polonium ergeben hätten. Weitere Untersuchungsergebnissen von Bekannten Kowtuns oder seiner Angehörigen würden für die kommende Woche erwartet, doch auch dabei rechne man nicht mit erhöhten Werten.

Kowtun selbst sagte in einem Nachrichtenmagazin, er habe die strahlende Substanz unwissentlich in die Wohnung seiner Exfrau gebracht: "Ich habe keine Idee, wie das Zeug in meinen Körper gelangt ist." Wie der an Polonium-Vergiftung gestorbene Ex-Spion Litvinenko sei auch er ein Opfer. Der russische Geheimdienst KGB ist seiner Ansicht nach aber nicht in den Polonium-Anschlag auf Litvinenko verwickelt. Der Geheimdienst stecke "100-prozentig nicht hinter dieser Sache". "Mit einer solchen Show Litvinenko umzubringen, ist doch Blödsinn", wird der frühere Offizier der sowjetischen Armee zitiert.

War es nicht der KGB?

Ein Bekannter des ermordeten Ex-Spions Alexander Litvinenko behauptet derweil, dass Litvinenko ermordet wurde, weil er für eine britische Firma eine Akte über einen möglichen russischen Geschäftspartner erstellt hat.

Die nicht namentlich genannte britische Firma habe wirtschaftliche und politische Informationen über den einflussreichen russischen Partner haben wollen, bevor sie mehrere Millionen Pfund investieren wollte, sagte Juri Schwets in einem Interview. Litvinenko sei umgebracht worden, nachdem seine achtseitige Akte dem besagten Russen absichtlich zugespielt worden sei. Er könne sich mit dieser Annahme "nicht hundertprozentig" sicher sein, gab Schwets zu - "aber ich bin mir ziemlich sicher".

Schwets, der mit Litvinenko beruflich zusammenarbeitete, erzählte weiter, dass der Vergiftete ihm von seinem Krankenbett aus gesagt habe, dass ihn drei russische Landsleute in einem Londoner Hotel vergiftet hätten. "Er hat Tee getrunken, der nicht vor seinen Augen zubereitet wurde", sagte Schwets. "Er ist wahnsinnig geworden bei der Vorstellung, dass er als Profi versagt hat." Litvinenko habe immer gesagt, dass er seine Feinde "auf eine Meile" ausmachen könne - "aber in diesem Fall, als es um sein Leben ging, hat er versagt".