Pierer schließt seinen Rücktritt in der Siemens-Korruptionsaffäre aus

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Früherer Vorstandsvorsitzender hat sich nichts vorzuwerfen, obwohl neue Vorwürfe gegen die gesamte Konzernspitze erhoben werden.

Frankfurt/Main. Trotz neuer, schwerer Vorwürfe in der Siemens-Korruptionsaffäre schließt Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer einen Rücktritt aus. "Ich trete nicht zurück", sagte Pierer der "Welt am Sonntag" laut einer Vorabmeldung. "Die Frage stellt sich mir nicht. Denn ich habe mir nichts vorzuwerfen." Laut einem Zeitungsbericht vom Samstag soll die Siemens-Konzernspitze und damit auch der frühere Vorstandsvorsitzende Pierer von den millionenschweren Schmiergeldzahlungen gewusst haben; rund 420 Millionen Euro sollen dabei in dubiose Kanäle ins Ausland geflossen sein.

Pierer sieht keine persönliche Versäumnisse: "Wir haben nichts billigend in Kauf genommen. Wir haben viel gegen Korruption getan und unseren Leuten immer klar gesagt: Lasst lieber ein Geschäft sausen", sagte er der Zeitung. Auch bei der Aufklärung handele der Konzern nun kompromisslos: "Wir haben alles getan, was man tun kann. Eine unabhängige und umfassende Aufklärung ist in die Wege geleitet. Jetzt muss man uns mal Zeit geben."

Einen Interessenkonflikt sieht von Pierer nicht, obwohl er als Aufsichtsratsvorsitzender nun Vorgänge aus seiner Zeit als Vorstandschef aufklären muss. Auch einen Auftragsrückgang als Folge der Affäre erwartet von Pierer nicht: Es bestehe kein Anlass zur Annahme, dass Siemens Umsatzeinbußen hinnehmen müsse, sagte er laut der Zeitung.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil forderte die Aufklärung der Korruptionsaffäre "mit aller Konsequenz". Die Vorgänge bei Siemens schadeten der deutschen Wirtschaft und Deutschland insgesamt, sagte Heil der "Bild am Sonntag". Der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Hofmann forderte Pierers Rücktritt. "Wenn man nachliest, was er vor dem Parteispenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages im Jahr 2001 über die angeblich nicht existenten Siemens-Schmiergeldkonten ausgesagt hat, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder hat Herr von Pierer damals gelogen, oder seine eigenen Leute haben ihn an der Nase herumgeführt", sagte Hofmann der "Berliner Zeitung". In beiden Fällen wäre Pierer als Aufsichtsrat eine Fehlbesetzung. "Er sollte daher zurücktreten", wird Hofmann zitiert.