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Hamburgs erste vegane Pizza

Das Vistro im Brakula bringt kulinarische Neuigkeiten in die Stad, bietet hauchdünne Pizzen und hausgemachten Kuchen

Das alte Bauernhaus im Jugendstil hebt sich mit seiner sonnengelben Fassade, dem Giebeldach und den weißen Sprossenfenstern freundlich vom grauen Spätsommerhimmel ab. Die Holztische und -bänke sind weiß und grün lackiert. Die untergehende Sonne bricht durch die Wolkendecke und lässt die Fassade leuchten. Hier, im Gebäude des Bramfelder Kulturladens, findet sich das Vistro – die erste rein vegane Pizzeria Hamburgs.

Beim Betreten wirkt das Lokal freundlich und etwas rustikal. Die Einrichtung ist aus Holz und schlicht gehalten, kleine Blumensträuße schmücken die Tische. Mit den bunt durcheinandergewürfelten Holzarten und den verschiedenen Stühlen wirkt der Raum jung; fast wie die erste eigene Wohnung, die mit Secondhandmöbeln selbst ausgestattet wurde. In einer Kuchenvitrine an der Bar liegen verschiedene Torten und Kuchen, auf der Bar stehen Gläser mit Keksen.

Das Bild des Vistros passt zum Konzept: Chef Nico Hansen und sein Team legen vel Wert auf Nachhaltigkeit, Qualität und Menschlichkeit. Beim „MittagsMahl -Anders“ wird dienstags bis donnerstags ab 12 Uhr ein Mittagstisch aus Lebensmitteln gezaubert, die von Supermärkten gespendet wurden und aus optischen Gründen unverkäuflich sind. Mit dem Brakula bietet das Vistro zahlreiche kulturelle Veranstaltungen und Kurse an. So gibt es fast jeden Freitag im Restaurant Livemusik von Künstlern aus Hamburg und Umgebung, aber auch Ausstellungen, Vorträge und Lesungen.

Bestellt wird an der Bar; die Getränke können gleich mit zum Tisch genommen werden. Um die Wartezeit auf die Pizza zu verkürzen, gibt es als Vorspeise ein Schälchen Oliven (2,90 Euro), die fast so gut schmecken wie in Italien. Als dann die Pizza „Angerling“ mit Räuchertofu, roten Zwiebeln und Pilzen (8,50 Euro) gebracht wird, ist das Schälchen leer.

Auf einer Pizza darf natürlich der Käse nicht fehlen – auch wenn die Pizza vegan ist. Als Alternative zum herkömmlichen Käse werden alle Pizzen mit Yease, einem „Käse“ aus Hefeflocken, belegt. Schmecken kann man den Unterschied nicht. Der hauchdünne Boden und der knusprige Rand lassen Erinnerungen an vergangene Sommerurlaube in Süditalien wieder aufleben. Die würzige Tomatensoße auf dem frischen Teig ist mit dem rauchigen Geschmack des Tofus und den leicht angebratenen Pilzen ein Genuss – und passen hervorragend zu Regentagen, Herbststürmen und sich langsam verfärbenden Blättern.

Auch das Tiramisu (4,40 Euro), das als Nachtisch bestellt wird, begeistert. Geschmacklich übertrifft es fast die herkömmlichen Tiramisus. Weder der Kaffee noch der Amaretto dominieren den Geschmack. Stattdessen bilden sie eine harmonische Einheit, von der man nicht genug bekommen kann. Wie das Tiramisu ohne Mascarpone gelingt, bleibt aber Geheimnis der Küche.

Das Vistro zeigt: Leckeres Essen mit regionalen Zutaten geht auch vegan, ganz ohne tierische Produkte.

Vistro – Café, Pizzeria, Bar Di–So 12.00–22.00, Brakula (Bus 8, 173), Bramfelder Chaussee 265, T. 64 21 70 30; www.vistro-hamburg.de