Hamburg

Empörung über Nackttänzerinnen auf Fest des Hamburger Senats

Grüne kritisieren Striptease-Einlage als völlig unpassennd“. Sprecher verteidigt Auftritt als Teil des „Kulturlebens“

Hamburg.  Passen Striptease-Einlagen und fast nackte Frauen zu einer Veranstaltung des Hamburger Senats? Ein Auftritt von Erotiktänzerinnen hat bei einem Teil der Gäste des Hamburger Jahresfestes in Berlin Irritationen ausgelöst – und sorgt nun auch für politische Debatten.

Bei der von Dutzenden Sponsoren finanzierten und von rund 4000 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien besuchten Veranstaltung am früheren Flughafen Tempelhof waren am Dienstagabend die Tänzerinnen der Hamburger Gruppe The Sinderellas mit erotischen Einlagen aufgetreten. Nach Schilderungen von Besuchern reagierte ein Teil der Gäste mit Stirnrunzeln und Kopfschütteln auf die Striptease-Show. Andere zeigten sich begeistert, zückten ihre Handys und filmten die Frauen.

Der Auftritt bei der Veranstaltung, zu der Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) eingeladen hatte, löste nicht nur in sozialen Netzwerken Diskussionen aus, sondern auch in der Hamburger Politik. Grünen-Chefin Anna Gallina sagte: „Diese Showeinlagen waren für einen offiziellen Anlass der Stadt völlig unpassend. Mich haben viele irritierte Nachfragen dazu erreicht.“ Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks nannte den Auftritt ebenfalls „völlig unpassend“ und fügte hinzu: „Wenn dies der Versuch war, ein wenig Hamburger Nachtleben nach Berlin zu holen, ist das gründlich schiefgegangen.“ CDU-Fraktionsvize Birgit Stöver sagte: „Wenn die Senatskanzlei meint, dass solche Auftritte passend für ein solches Fest sind, muss sie sich im Klaren sein, dass das nicht jeder gut findet. Meinen Geschmack trifft es nicht.“ Eine große Debatte müsse man daraus aber auch nicht machen. FDP-Fraktionschef Michael Kruse dagegen sagte, die „künstlerischen Darbietungen“ seien „unterhaltsam und ein Gewinn für den Abend“ gewesen. Senatssprecher Jörg Schmoll verteidigte das Programm ebenfalls: „Das Musik- und Unterhaltungsprogramm bildet das facettenreiche Kulturleben unserer Stadt ab“, so Schmoll. „All dies gehört zu Hamburg.“

Zuletzt hatte das Landesfest vor zwei Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Damals gab es dort einen sexuellen Übergriff auf die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne).

Seite 18 Skandal oder Kultur?