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Projekt zum Thema Körper

Zwei Künstlerinnen präsentieren vom 4. bis 6.9. „own own body own“ im Mojo Club

Die Frage „Gehört mein Körper mir?“ werden die meisten Menschen sicher mit Ja beantworten. Schwieriger wird es bei Fragen wie „Was für ein Körpergefühl habe ich?“, „Wie spüre ich meinen Körper durch andere?“ oder „Bin ich im richtigen Körper?“ Die beiden Künstlerinnen Kirstin Burckhardt und Brenda I. Steinecke Soto haben sich zwei Jahre intensiv mit diesen Fragen beschäftigt und präsentieren vom 4. bis 6. September im Mojo Club ein Projekt, das Video, Bewegung, Tanz, Sprache und Musik zusammenbringt. „own own body own“ haben sie ihre Verbindung aus Performance und Videoin­stallation genannt. Fünf Performer, drei Interviewpartner, ein Filmemacher, ein Musiker und ein Videojockey gehören zu dem Team des internationalen Projekts.

Die Interviews werden nicht live geführt, sondern per Video gezeigt. Einer der Gesprächspartner ist ein kolumbianischer Stabsoffizier, der bei einem Gefecht mit Guerillakämpfern von neun Kugeln getroffen worden ist. Er hat den Schusswechsel überlebt, doch ist er bis heute gehandicapt und muss ein Korsett tragen. Nach der schweren Verletzung wurde Jorge Giraldo aus den Streitkräften entlassen, konnte ein Studium anfangen und arbeitet jetzt als Filmemacher.

In seinem Debüt „Nine Shots“ erzählt er seine Geschichte und benutzt Bilder, die seine Mutter gemacht hat. Sie hat als Fotografin und Kamerafrau gearbeitet und ihr Leben und das ihres Sohnes dokumentiert. Diese Passion des Fotografierens ist auf Jorge übergegangen, er ist Opfer und Autor zugleich. „Wenn ich die Bilder durchgehe, erinnere ich mich immer wieder an die Schüsse, die mich körperlich und seelisch von Grund auf verändert haben“, erzählt Filmemacher Giraldo. Sein Film berichtet auch über den Konflikt zwischen Regierung und Farc-Guerillas, in dem nun Waffenstillstand herrscht. „Nine Shots“ zeigt das Abaton (2. und 9.9., 11. und 18.11., jeweils 13 Uhr).

Die Musik kommt von Tobias Gronau, einem Theatermusiker und Klangtüftler

Auch die beiden anderen Gesprächspartner haben Körperprobleme. Lilith Border ist physisch ein Mann, fühlt sich aber als Frau. Er/sie hat sich entschlossen, den Männerkörper zu behalten und trotzdem als Frau zu leben. So formt sie ihren Körper, wie sie es möchte. Die dritte Person, Gwen Schulz, sieht sich selbst als hyperempathisch. Jede körperliche Berührung ist für sie eine Herausforderung oder eben ein großer Vertrauensbeweis. Wenn man ihr zuhört, wird man dafür sensibilisiert, was Berührung oder Berührtsein bedeutet.

Der Mojo Club ist ein passender Raum für diese Performance zum Thema „Körper“, weil ein Tanz- und Musikclub Nähe schafft. Wenn er mit Publikum gefüllt ist, sind wegen der Enge Berührungen zwangsläufig. Auch gemeinsames Tanzen zeigt oft eine Spiegelung der eigenen Bewegung in Bezug auf ein Gegenüber. Die fünf Performer werden den Raum des Clubs nutzen, um in Beziehung zu den Zuschauern zu treten. Die wiederum werden Teil der Performance. Musik oder Space Sound kommt von Tobias Gronau, einem Theatermusiker, Klangtüftler und Instrumentenbauer. Soul, wie sonst im Mojo üblich, wird er sicher nicht auflegen. Aber Gronau wird eine Klangkulisse erzeugen, die zu einem elementaren Teil der Aufführungen wird.

„own own body own“ Di 4.–Do 6.9., jew. 19.30, Mojo Club (U St. Pauli), Reeperbahn 1, Karten 11,-;
www.ownownbodyown.com