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Beruf mit Biss

Zahntechniker fertigen Zahnersatz. Geduld und Präzision sind hier gefragt

ür seine Arbeit braucht Fynn Gast Konzentration und Geduld. Im Labor von Böger Zahntechnik poliert der angehende Zahntechniker einen fertigen Zahnersatz auf das Genaueste. Neben ihm fräsen und schleifen Kollegen an ihren Arbeitsstücken. Es quietscht wie beim Zahnarzt. Fynn, jetzt im zweiten Ausbildungsjahr, stört das nicht, „daran gewöhnt man sich“, sagt der 22-Jährige. Ihm macht vor allem die manuelle Arbeit großen Spaß.

Zu seinem Beruf kam er auf Umwegen, obwohl sein Vater Zahntechnikermeister ist. Nach dem Abitur fing er zunächst an, Geografie zu studieren. „Aber immer in der Bibliothek zu sitzen war nichts für mich, ich wollte lieber mit den Händen arbeiten“, so Fynn. Er absolvierte drei Praktika, eins davon bei Böger, wo er auch die Lehrstelle fand. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und ist „sehr facettenreich“, so Fynn.

Im ersten Lehrjahr gehörte unter anderem das Herstellen von Gipsmodellen zu seinen Aufgaben. „Dazu wird die sogenannte Abformung, die vom Zahnarzt kommt, mit Gips ausgegossen. Das ist das Arbeitsmodell, auf dem weitergearbeitet wird“, erklärt Fynn. Für die Unterfütterung von Prothesen hat er auch schon mit Kunststoff gearbeitet. In der weiteren Lehrzeit wird er den Umgang mit Materialien wie Metall, Keramik und Gold kennenlernen, die für den Zahnersatz wichtig sind. Besonders freut er sich darauf, Kronen für defekte und Brücken als Ersatz für fehlende Zähne zu fertigen, „das ist quasi wie aus dem Nichts einen Zahn zu modellieren“. Während der Arbeit trägt er nicht nur einen Kittel, sondern oft auch Mundschutz und Schutzbrille, „wegen der Feinstäube und Metall- oder Kunststoffsplitter, die beim Fertigen abfallen können.“

Neben dem handwerklichen ist aber auch das Modellieren am Computer gefragt. Beim CAD/CAM-Zahnersatz, das steht für Computer Aided Design und Computer Aided Manufacturing (rechnergestützter Entwurf und Fertigung), wird das Gipsmodell eingescannt und mit entsprechenden Spezialprogrammen am PC modelliert, die Daten des fertigen Entwurfs dann an eine Fräsmaschine gesendet. Das ausgefräste Modell wird schließlich mit der Hand weiterbearbeitet. Auf diese Weise können schon Schienen und Brücken hergestellt werden.

„Die Anwendung dieser Technik wird in den nächsten Jahren stark zunehmen“, ist sich Laborleiter Dirk Sobbe sicher. Dennoch werde die manuelle Arbeit nicht wegfallen, das Handwerk weiter benötigt. „Man braucht handwerkliches Geschick sowie ein gutes Auge für Formen und Farben, auch Präzision ist gefragt, wir arbeiten im Millimeter- und Mikrometerbereich“, sagt der Zahntechnikermeister. Aber der Beruf mit guten Zukunftsaussichten bleibe „ein Leben lang abwechslungsreich und spannend“, sagt Sobbe. Und Fynn fügt aus seiner bisherigen hinzu: „Das Tolle ist auch, dass man Menschen wieder zu einem guten Lebensgefühl verhelfen kann, wenn sie mit dem Zahnersatz etwa wieder unbeschwert unter Leute gehen und lächeln können.“