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Ein Stück Selbstoptimierung

| Lesedauer: 3 Minuten
Annette Stiekele

Das Sommertheater St. Georg zeigt ab 18. August Ingrid Lausunds „Tür auf, Tür zu“

In der Sommerzeit, wenn oft nur Festivals Theaterfans beglücken, schlägt auch regelmäßig die Stunde des Sommertheaters St. Georg. Seit 2002 lädt die Schauspielerin, Regisseurin und Dozentin Katharina Röther im lauschigen Innenhof der St.-Georgs-Kirche zu Open-Air-Theater in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hauptbahnhof.

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Mit Klassikern der Komödien-Literatur fing es an. Doch seit einigen Jahren richtet sie den Fokus auf zeitgenössische Stücke. Vom 18. August bis 2. September geht in diesem Jahr „Tür auf, Tür zu“ von der häufig gespielten und beliebten Autorin Ingrid Lausund über die Bühne. „Das ist nah bei uns. Es geht um Selbstoptimierung. Darum, alle Anforderungen zu erfüllen, damit man dabei ist, dabei bleibt“, erzählt Röther.

In Zeiten der permanenten Selbstdarstellung in den sogenannten sozialen Medien hat das 2011 in den Hamburger Kammerspielen uraufgeführte Werk eine hohe Aktualität. Es tritt darin eine wahrhaftig sprechende Tür auf. Ein Tor zu allen Wünschen, aber auch Grenze für die Ausgeschlossenen.

Viele Personen treten in den Episoden auf, Partygäste am Büfett, ein aus Sparzwängen auf nur einen Sänger geschrumpfter Chor. Zentrale Figur aber ist eine Frau mit Namen Anneliz, die, beginnend mit dem Jobverlust, alle Stadien des Aus-dem-System-Fallens durchlebt. Von Skepsis, Panik, Zuversicht, Selbstmotivation bis hin zur Verzweiflung darüber, sich noch nicht einmal mehr die eigene Beerdigung leisten zu können. „Es geht auch ums Frausein und Älterwerden.“ Wie bei Lausund üblich, wird Drastisches oft komödiantisch und leicht verdaulich verpackt. „Die Sprachspiele sind ja manchmal anstrengend, aber das wird immer wieder gebrochen. Das ist das Schöne an dem Text“, sagt Katharina Röther.

Das Sommertheater St. Georg ist im Stadtteil verwurzelt

Die Besonderheit bei dieser Inszenierung ist, dass Röther und ihre Kollegin Annelore Sarbach, ebenfalls Schauspielerin, Regisseurin und Dozentin, alle Rollen übernehmen und gleichzeitig beide Regie führen. „Es ist wichtig, sich zu besprechen, was wir eigentlich zeigen wollen. Die Geschichte der Anneliz barg die Gefahr einer reinen Opferrolle, das fanden wir beide langweilig“, meint Katharina Röther. „Es stellt sich ja die Frage, wenn man in Umstände hineingerät, einem Dinge passieren, die man nicht begreift, ob man überhaupt noch dazugehören will. Mitspielen muss nicht immer das Optimum sein. Manchmal muss man die Größe haben zu sagen, ,Nö, will ich nicht.‘“ Die Inszenierung kommt ohne aufwendiges Bühnenbild aus. „Es gibt viele Brüche und viele Wechsel, da wir beide alle Rollen, auch die der Anneliz übernehmen“, sagt Katharina Röther.

Schon Wochen vor der ersten Aufführung fragen die Stammbesucher des Sommertheaters St. Georg, was es in diesem Jahr zu sehen gibt. Ausgestattet mit 2200 Euro Stadtteilkulturförderung geht es dann an die Arbeit. Die Vernetzung im Stadtteil ist wichtig. Ohne sie geht es nicht. Der Kulturladen St. Georg stellt Proberäume zur Verfügung. Jetzt muss nur noch das Wetter seinen Part halten.

„Tür auf, Tür zu“ Sa 18./So 19.8., Fr 24.–So 26.8., Fr 31.8.–So 2.9., je 20.00, Open-Air-Theater im Innenhof der St.-Georgs-Kirche (U/S Hbf.), St. Georgs Kirchhof 19, Karten zu 14,-/erm. 9,- im Kulturladen St. Georg, Alexanderstr. 16,
T. 28 05 48 62; www.sommertheater-hamburg.de

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