Blankenese

Blankeneser eröffnet Flieger-Museum

100 Prozent Modellbau-Spaß: Peter Hartmann stellt in umgebauter Schlachterei Sammlerstücke aus

Blankenese. Hasenhöhe 26 a: In der ruhigen Anliegerstraße in Blankenese erwartet den Besucher ein unscheinbarer Altbau, der nicht erahnen lässt, was sich in seinem Hinterhof verbirgt. Einst war hier ein Fleischverkauf ansässig, dahinter befand sich die Schlachterei. Doch die Zeiten sind längst vorbei. Was sich hier nun befindet, überrascht den unbedarften Besucher. Denn in den vergangenen Monaten ist aus der ehemaligen sanierungsbedürftigen Gewerbehalle ein kleines privates Hinterhof-Museum geworden. Der Blankeneser Peter Hartmann hat sich damit einen Traum erfüllt. Er stellt dort mit viel Liebe zum Detail seine Sammelstücke aus.

Der ehemalige Chef einer Hamburger Werbeagentur hat in seinem Leben bereits viel und wirklich gern gesammelt. Besonders Modellbau-Flieger haben es ihm angetan. Etwa 600 Stück stellt er nun im Erdgeschoss seines Museums aus. Sie stehen in zahlreichen Vitrinen, sorgsam ausgerichtet und sortiert. Dabei fällt auf: Es handelt sich bei den Modellfliegern fast ausschließlich um solche aus dem militärischen Bereich. „Wenn man sich mit dem Thema befasst, stellt man schnell fest, dass es hier die größten Veränderungen und Innovationen gab“, erklärt Hartmann. Normale Linienflieger zu sammeln und auszustellen, reize ihn nicht, da sie sich alle relativ ähneln würden. Doppel­decker, Propellerflugzeuge, Aufklärer, Transporter, Jäger, Jets, Tornados: Hartmann wandert durch seine Ausstellung und kann zu fast jedem Modell, die Entstehung und die Herkunft erläutern. Er hat sie selbst zusammengebaut. Alles Handarbeit, „natürlich mit Pinsel und nicht im Airbrush-Verfahren“, darauf legt er Wert. „Ich bin kein Techniker, aber durch den Modellbau habe ich viel über den Flugzeugbau gelernt“, erklärt der ehemalige Grafikdesigner die Faszination am Modellbau.

Bereits während seiner Arbeitszeit fing er mit dem Hobby an. Doch damals, beruflich und familiär stark eingespannt, musste er sich die Zeit dafür erkämpfen. Mit 55 verkaufte der heute 74-Jährige seine Werbeagentur. Anschließend konnte er sich voll der Sammlung widmen. Nach einem halben Jahr stellte er aber fest: „Es fehlte etwas.“ Beim Katalogisieren seiner zahlreichen Modelle kam ihm die Idee, eine Zeitung für Sammelverrückte wie ihn herauszugeben.

„Hartmann’s Modell Porträts“ erschien von September 2000 an viermal im Jahr. Für die Berichte bereiste der Blankeneser zusammen mit seiner Frau die Welt, besuchte unter anderem in den USA 30 Flugzeugmuseen. Hartmann kümmerte sich um den Vertrieb, den Druck, das Layout, die Anzeigen, die Texte und vor allem die vorgestellten Modelle. Viel Arbeit, aber er genoss den Austausch mit anderen Sammlern.

Nach 50 Ausgaben reichte es ihm. Das neue Projekt ergab sich automatisch aus dem Problem heraus, dass die vielen Modelle im Haus kaum noch Platz fanden. Der Blankeneser wollte sie gern zeigen und anderen den Spaß an dem Hobby vermitteln. Da entstand die Idee vom eigenen Museum. 2016 kaufte er das Haus an der Hasenhöhe. Mühevoll hat er es in den vergangenen Monaten eigenhändig saniert und umgebaut. Fotos im Eingang zeugen von der vielen Arbeit, die in dem Projekt steckt.

Während im Erdgeschoss die Flieger zu finden sind, tut sich im Obergeschoss eine andere Welt auf. Hier hat Hartmann weitere 4000 Wiking-Modellautos ausgestellt. Auf dem Weg dorthin hat er zudem einige seiner Emaille-Schilder untergebracht. Dabei handelt es sich um den Rest seiner einst großen Sammlung. Von der trennte er sich aus Platzgründen. Schade, ein Emaille-Museum wäre doch ein neues Projekt für den Überflieger.

Dienstags und donnerstags von 11 Uhr an öffnet Hartmann die Türen zu seinem Reich. Ist er einmal nicht vor Ort, erreichen ihn Besucher unter 0160/544 40 45. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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