Glosse

Die vier Typen des Schneeschippers

Der Autor ist Redakteur in der Lokalredaktion

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Foto: Klaus Bodig

Manchmal hat man den Eindruck, dass die Leute komplizierte Dinge, wie zum Beispiel technische Geräte, immer besser beherrschen und sich bei ganz einfachen immer dämlicher anstellen. Nehmen wir mal das Schneeschippen. So schwer kann es doch nicht sein, ein paar Meter Gehweg freizuräumen. Die Passanten haben heutzutage ja gar keine so hohen Erwartungen mehr, sie möchten einfach nur halbwegs sicher und mit einigermaßen trockenen Füßen ihrer Wege ziehen. Ob das klappt, hängt allerdings vom Anwohner-Typus ab.


Typ 1:
Nur faul. „Oh, hat’s gestern geschneit?“, fragt er scheinheilig. Statt zu schippen oder zu fegen inspiziert er abends lieber seinen Flachbildschirm. Seine Lieblingsausrede: Schnee tritt sich fest, und das ist dann auch genug.


Typ 2:
Wischiwaschi. Im Fitnesscenter schafft er 50 Sit-ups, aber beim Schneeschippen wird ihm schnell kalt, und der Rücken tut weh. Schiebt den Schnee hastig zur Seite und lässt den gefrorenen Untergrund, wie er ist. Die kleine Buckelpiste, die sich nach ein paar Tagen vor seinem Gartenzaun gebildet hat, ignoriert­ er großzügig.


Typ 3:
Faul und pragmatisch. Er kippt eine Packung Streusalz auf den Weg und verzieht sich sofort wieder ins warme Haus. Hat schon als Kind gerne Matsch hergestellt.


Typ 4:
Perfekt. Er schippt, fegt und klopft auch angefrorene Streifen heraus. Zum Abschluss verteilt er noch etwas Granulat oder Sand. Gerne übernimmt er auch noch die zwei Meter seiner 85 Jahre alten Nachbarin. Die anderen drei Typen bezeichnen ihn als Spießer.

Da er immer seltener zu finden ist, sollte man ihn unter Schutz stellen.