Literatur-Tipp

Hamburg liest, hört und läuft – mit Ronald Reng

Ronald Reng (47), Schrift

Ronald Reng (47), Schrift

Foto: Gunnar Knechtel

Den Impuls für sein neues Buch „Warum wir laufen“ hatte der renommierte Sportjournalist und Autor Ronald Reng beim Blick aus dem Fenster. Sein Haus liegt an der beliebtesten Joggingstrecke der Stadt, in der er lebt. Er sah die Läufer, und er wusste: Er gehört nicht mehr dazu.

Seine Zeiten als Jogger waren lange schon vorbei. Dann fing er in Bozen (Südtirol) wieder damit an und schrieb gleich ein Buch darüber. Dies wiederum stellt er nun im Literaturhaus vor, unweit der Hamburger Paradestrecke um die Alster. Die Lesung ist eine von zwei Topveranstaltungen der Literatur am Donnerstag, 1. Februar. Die andere findet im Uebel & Gefährlich statt: die Ham.Lit, Hamburgs lange Nacht der Literatur mit 15 Autorinnen und Autoren sowie drei Bands.

Zurück zu Reng, der in den vergangenen Jahren einige der besten Fußball­bücher überhaupt geschrieben hat. Die Biografie über Robert Enke, die Beschäftigung mit dem Nachwuchs („Mroskos Talente. Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts“), die Liebeserklärung an die höchste Spielklasse („Spieltage: Die andere Geschichte der Bundesliga“): Reng ist ein vorzüglicher Autor. Deshalb darf nun auch er einen Text über die Rennerei veröffentlichen. Es gibt ja eigentlich schon genug. Aber Reng geht das Thema auf interessante Weise an, und allzu bekenntnishaft und missionarisch ist „Warum wir laufen“ (Piper Verlag, 20 Euro) eben gerade nicht. Die gängigen Läufer-Klischees (trotz Verletzungen unbedingt laufen gehen müssen ...) greift er auf gefällige Weise auf.

Ham.Lit bedeutet: Literatur und Musik mit Lyrik, Kurzprosa, Romanen, Pop

Um Gefälligkeit ging es der Ham.Lit nie respektive den Autoren, die auf dieser langen St.-Pauli-Nacht der Dichtung zum Lesen auf die Bühne gehen. Es sind ja stets junge Autoren, die haben nichts zu verlieren. Neunmal gab es die Ham.Lit bislang, diesmal ist sie besonders gut besetzt. Es lesen im Uebel & Gefährlich: die Hamburgerin Kristine Bilkau, Max Czollek, Lucy Fricke, Sonja Heiss, Juliana Kálnay, Rebekka Kricheldorf & Laurenz Leky, die Schleswig-Holsteinerin Mareike Krügel, Svealena Kutschke, Thorsten Nagelschmidt, Jakob Nolte, Robert Prosser, die neue Mara-Cassens-Preisträgerin Sasha Marianna Salzmann, Katharina Schultens, Josefine Rieks und Klaus Cäsar Zehrer. Gelesen wird in drei Räumen gleichzeitig. Verpassen muss man unter Umständen das ein oder andere – und so oder so viel unterwegs sein im Bunkerclub.

Auch wegen Hundreds, dem Electropop-Geschwisterduo aus Hamburg, und den Künstlerinnen Lydia Daher und Linda Rum, deren musikalische Darbietungen das wie üblich üppige Ham.Lit-Programm abrunden. Mal schauen und hören, wer den besseren Beat hat – das geschriebene oder das gesungene Wort.

Die Auswahl der Lesenden zeugt von der Spannbreite der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Dramatische Werke, Lyrik, Kurzprosa, Romane, Literatur als Performance: Im Bunker wird dies alles vertreten sein. Und wer die Kondition hat, der wird nach den Lesungen die Bücher lesen, um die es geht. Lektüre ist wie Laufen, nur ohne schwitzen.

Ham.Lit Do 1.2., 19.30 Uhr, Uebel & Gefährlich, Feldstraße 66, Tickets 19 Euro Ronald Reng Do 1.2., 20 Uhr, Literaturhaus, Schwanenwik 38, Tickets 12, ermäßigt 8 Euro; Moderation: Alexander Solloch, Lesung: Jens Harzer