Statistik

Zahl der Einbrüche in Hamburg sinkt um gut 22 Prozent

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André Zand Vakili
Ein Einbrecher hebelt ein Fenster auf (Symbolbild)

Ein Einbrecher hebelt ein Fenster auf (Symbolbild)

Foto: Imago/Jochen Tack

1700 Einbrüche weniger in Hamburg. Polizei bringt Entwicklung stark mit der Arbeit der Soko „Castle“ in Verbindung.

Hamburg.  Die Einbruchskriminalität sinkt in Hamburg 2017 auf den tiefsten Stand seit Jahren. Wenige Tage vor Jahresende wird deutlich, dass die Zahl der Taten unter 6000 bleiben wird. Die Entwicklung hatte sich zwar Ende des Sommers abgezeichnet. Unklar war aber, ob der Trend auch über die letzten, „dunklen“ Monate durchgehalten wird. Die Polizei bringt die Entwicklung stark mit der Arbeit der Soko „Castle“ in Verbindung, die speziell zur Bekämpfung der Einbruchs­kriminalität eingerichtet wurde.

„Wir werden in diesem Jahr absehbar zwischen 5700 und 5800 Taten haben“, sagt ein Beamter. Das wäre ein Rückgang von mehr als 20 Prozent. Damit wäre der schon im vergangenen Jahr „gefeierte“ Rückgang von 9006 im Jahr 2015 auf 7510 im Jahr 2016 deutlich übertroffen – denn das entsprach einem Minus von rund 16 Prozent. „Die Entwicklung zeigt, dass wir mit der Einrichtung der Soko ,Castle‘ die Weichen richtig gestellt haben“, sagt Polizeipräsident Ralf Martin Meyer.

Kommentar: Polizei leistet gute Arbeit

Diese Ermittlungsgruppe“ war im August 2015 unter Führung der Kriminaloberrätin Alexandra Klein mit 24 Sachbearbeitern gestartet. Zwei Gruppen des Mobilen Einsatzkommandos und ein kompletter Einsatzzug standen rund um die Uhr zur Verfügung. Drei weitere Einsatzzüge konnten für spezielle Lagen angefordert werden.

Strafverschärfung? „Eher wirkungslos“

Der hohe Kräfteeinsatz hat sich offensichtlich gelohnt. 2016 konnte die Aufklärungsquote beim Wohnungseinbruch auf 11,9 Prozent gesteigert werden. Das war der höchste Wert seit Jahrzehnten. Wie hoch die Aufklärungsquote in diesem Jahr ausfällt, ist noch nicht bekannt. Klar ist aber: In rund 45 Prozent der Fälle blieb es beim Einbruchsversuch. Damit gelangte also nur gut jeder zweite Täter tatsächlich in eine Wohnung oder ein Haus. Dass die Soko „Castle“ eingerichtet wurde, lag an der stetigen Steigerung der Einbruchskriminalität seit 2006 in Hamburg. Damals waren 4777 Einbrüche in der Hansestadt registriert worden. 2015 war mit 9006 Taten der höchste Stand seit 1997 erreicht.

Gut organisierte Gruppierungen

„Einbrüche werden oft durch von der Tatbegehensweise her plump wirkenden Tätern begangen“, sagt ein Beamter. „Man darf sich davon nicht täuschen lassen. Oft stehen hinter den Einbrechern gut organisierte Gruppierungen, die dann auch gleich für ganze Serien von Einbrüchen verantwortlich sind. Serientäter müssen zudem Absatzwege für ihre Beute haben. Das ist nichts für Gelegenheitskriminelle.“

Mit dem Fall Bledar G., der 2015 festgenommen wurde, hatte sich schon früh herauskristallisiert, mit welchen Tätern es die Soko zu tun hat. Der damals 35 Jahre alte Albaner war mit gefälschten griechischen Papieren als Gelegenheitsarbeiter durch Deutschland gereist und hatte Aufenthalte in Städten zu Einbrüchen genutzt. Innerhalb kurzer Zeit konnten Ermittler der Soko dem Mann rund 50 Einbrüche zuordnen, die er vor allem im Nordosten Hamburgs verübt hatte. Auf „die Katze“, ein zu Zeitpunkt seiner Festnahme ebenfalls 35 Jahre alter Albaner, der 2016 aus dem Verkehr gezogen wurde, gehen 170 Taten. In diesem Jahr nahm die Soko unter anderen zwei Slowaken und einen Polen fest, denen rund 300 Einbrüche zugerechnet werden.

Einbrecher kommen auch durchs Dach

„Sind solche Täter aus dem Verkehr gezogen und sitzen sie in Haft, nimmt das Einfluss auf die Kriminalitätsentwicklung“, so ein Beamter. Zudem spreche sich unter Einbrechern herum, dass die Hamburger Polizei viel Personal und Energie aufbringe. Dazu gehören der Einsatz von Analytikern und eine aufwendige Spurensicherung, um Fälle zusammenzuführen und als Serie zu erkennen. Bei allen polizeilichen Erfolgen steht außer Zweifel, dass die Stadt weiter Ziel von Einbrechern bleiben wird. „Hamburg ist eine reiche Stadt mit vielen Tatgelegenheiten“, so der Kripomann. „Deswegen werden wir es auch in der Zukunft mit Einbruchskriminalität zu tun haben.“

Dabei gehen die Täter oft neue Wege. Vermehrt wurden in diesem Jahr Einbrüche registriert, bei denen die Täter durch das Dach gekommen waren, indem sie Dachpfannen herausnahmen und dahinter liegende Balken und Isolierung gewaltsam beseitigten. Betroffen waren ausschließlich Einzelhäuser in besten Wohngegenden der Stadt. Bei der Bekämpfung dieser Form der Einbruchskriminalität, die besonders professionellen Gruppierungen zugeschrieben wird, war die Polizei bislang wenig erfolgreich. Die Täter entkamen in allen Fällen – oft mit hoher, im Einzelfall sogar mit Millionenbeute.