Museen

„Die Geschichte des Domplatzes mit Neuen Medien erzählen“

Rainer-Maria Weiss erklärt das Projekt „Smart Square“

Viele Menschen streifen täglich über den Hamburger Domplatz ohne zu wissen, dass sich hier große Dinge zugetragen haben. Als Standort der Hammaburg war er über Jahrhunderte hinweg der geistig-kulturelle Mittelpunkt der Stadt. Inzwischen ist er ein reiner Durchgangsort inmitten eines Geschäfts- und Einkaufsviertels.

Wir vom Archäologischen Museum Hamburg haben uns mit der HafenCity Universität, eCulture.info und Hamburg@Work zusammengeschlossen und wollen mit dem Projekt „SmartSquare“ die Bedeutung des Platzes wieder ins Bewusstsein der Hamburger bringen und gleichzeitig diesen vernachlässigten Ort neu beleben.

Drei Jahre lang und mit einer Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Höhe von 1,4 Millionen Euro ausgestattet, wollen wir die Geschichte des Hamburger Domplatzes und unser Wissen über die Anfänge Hamburgs vermitteln, und zwar auf neue digitale Weise. Das geschieht nicht nur mit einer angebotenen App, sondern mit vielen Interaktionen und Installationen. Wir wollen Historie auf „smarte“ Art und Weise vermitteln und den Domplatz in einen richtig spannenden Ort verwandeln, an dem man Geschichte erleben kann.

Gerade evaluieren wir das Besucheraufkommen auf dem Platz. Dort wollen wir unterschiedliche Dinge anbieten. Vom digitalen Touchscreen über schöne historische Bilder in einer aufs Mobiltelefon ladbaren App bis zu einem analogen Fernrohr, das von den zentralen Begebenheiten erzählt. So wird sich der Besucher im Sommer 845 mitten in einem Wikingerüberfall wiederfinden, vom großen Brand 1842 bis hin zu den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges erfahren und natürlich Wissenswertes über den Standort des Doms.

Die enge Verzahnung mit Anrainern und Nachbarn wie St. Petri, dem Hofbräuhaus, der Bürgerstiftung oder dem HSV-Fanshop wird das Thema auch in umliegenden Schaufenstern aufgreifen. Man ist auf dem Domplatz eigentlich in einem Museum am Originalschauplatz. Wir wollen ihn gern in Hammaburgplatz umbenannt sehen.

Parallel ist auch im Bischofsturm, der Filiale unseres Museums unterm Backhus, eine Sonderausstellung geplant. Seit drei Jahren haben wir neue Forschungserkenntnisse über die Neue Hammaburg und können das Thema damit schier endlos weiterentwickeln. Das Projekt wird auch angesichts der weiter ausgebauten HafenCity an Bedeutung gewinnen. Denn der Domplatz bildet zwischen Neuem Wall und dem Weltkulturerbe Speicherstadt künftig eine zentrale Hauptachse, die es spielerisch zu beleben gilt.

Das Modellprojekt soll als Toolbox auch über Hamburg hinaus übertragbar auf andere Städte sein. Ein Städtenetzwerk aus Aarhus, Gent und Melbourne entsteht gerade.

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