Berlin

Das Ende der analogen Telefonie

Berlin. Das Schlagwort "IP-Telefonie" taucht zwar seit ein paar Jahren immer mal wieder in den Medien auf – doch noch immer können die Wenigsten damit etwas anfangen. Doch spätestens, wenn der Hinweis ins Haus flattert, dass der eigene Anschluss auf IP-Telefonie umgestellt wird, sind viele Verbraucher verunsichert. Betroffen sind früher oder später alle. Was IP-Telefonie bedeutet, welchen Vorteil IP-Geräte haben und was Verbraucher bei der Umstellung tun müssen: Antworten auf die wichtigsten Fragen.


Was ist IP-Telefonie?
Das Schlagwort IP-Telefonie oder "Voice over IP" (VoIP) bezieht sich im Wesentlichen auf die Übertragungsart von Telefongesprächen. Die wurden jahrzehntelang analog über zwei Kupferkabel übertragen. Im Zuge der Digitalisierung wird auch das Telefonnetz schrittweise umgerüstet: Statt also die Schallwellen eines Telefonats per elek­trischer Schwingung zu senden, ist man mittlerweile dazu übergegangen, alles zu digitalisieren – also in Einsen und Nullen zu übersetzen.

Eine erste Ausprägung davon war ISDN: Dank digitaler Übertragung erlaubte das etwa zwei Gespräche gleichzeitig auf demselben Leitungspaar.

Das jetzt vielfach eingesetzte IP-Telefonie-Verfahren ist ebenfalls digital. "IP" steht aber für die Übertragung direkt via Internet Protokoll – die Gespräche werden hier nicht wie sonst als durchgängiger Datenstrom gesendet, sondern in kleinen Päckchen über das Netzwerk verschickt. Das hat vor allem für Telefonanbieter Vorteile, die Telefongespräche so deutlich einfacher und effizienter übertragen können.


Welche Vor- und Nachteile hat
IP-Telefonie für die Verbraucher?

IP-Telefonie löst in erster Linie Pro­bleme der Telefonanbieter. So kann man es wohl schon als Vorteil verbuchen, dass die Umstellung in den meisten Fällen für Endkunden geräuschlos verläuft.

Ein echter Vorteil der Umstellung kann HD-Telefonie sein. Wenn sie funktioniert, bietet sie eine deutlich hörbare Verbesserung der Sprachqualität. Außerdem macht es die DSL-Nutzung einfacher. Vorher mussten DSL-Signal und Telefonsignal mittels Splitter beim Nutzer erst getrennt werden, ein weiterer Kasten, der NTBA, war zusätzlich für ISDN notwendig. Beides fällt bei einem IP-Anschluss weg, die vorher für Telefonie reservierte Bandbreite der Telefonleitung kann zusätzlich für die Internetübertragung zur Verfügung gestellt werden. Bei der Sprachübermittlung durch Datenpakete kann es theoretisch auch zu Beeinträchtigungen der Sprachqualität kommen, etwa Echos, Verzögerungen oder kurze Aussetzer. Ein Vertragswechsel ist meist nicht notwendig und damit kommt es auch zu keinen Zusatzkosten.


Was ist HD-Telefonie und
welche Geräte benötige ich?

Mit der Umstellung auf IP-Telefonie kommt auch ein neuer Sprachübertragungsstandard zum Einsatz, der theoretisch besseren Klang und bessere Verständlichkeit bietet. Die menschliche Stimme hat eigentlich ein sehr breites Klangspektrum, das etwa von 80 Herz (tiefe Bassanteile) bis 12.000 Herz (hohe Obertöne und Zischlaute) reicht. Bei bisheriger Technologie wird bei Telefonaten lediglich ein eingeschränkter Teil des natürlichen Klangs übertragen, nämlich die Frequenzen zwischen 300 und 3400 Herz, der Rest wird abgeschnitten – die Folge ist der blecherne Telefonklang. Mit IP-Telefonie wurde prinzipiell die Möglichkeit geschaffen, den Frequenzbereich von 50 bis 7000 Herz zu übertragen. Das klingt erheblich natürlicher und ist auch besser verständlich.

In der Praktik wird man das aktuell aber noch selten hören – denn damit HD-Telefonie funktioniert, müssen beide Gesprächspartner über ein entsprechendes Telefon verfügen, die jeweiligen Telefonanbieter HD-Telefonie anbieten und auch sicherstellen, dass das HD-Gespräch von einem Anbieter auch zum anderen weitergereicht wird.


Was passiert bei der Umstellung?
Muss ein Techniker kommen?

Nein, alle Anschlussinhaber sollen zudem rechtzeitig informiert werden, versprechen die Telefonanbieter. Wer bereits seit vielen Jahren nur sein altes Telefon nutzt und keinen Internetanschluss hat, kann es auch künftig weiter nutzen, versicherte ein Sprecher der Telekom unserer Redaktion. Für diese Kunden simuliere das Unternehmen den Analoganschluss weiterhin und wandele ihn erst in der Vermittlungsstelle in ein modernes Digitalsignal um.

Auch wer zusätzlich einen Internetanschluss gebucht hat, benötige oftmals keine neuen Geräte, da diese bereits seit einigen Jahren entsprechend für einen IP-Anschluss ausgestattet seien. Ob der eigene Router den Vorgaben entspricht und was man darüber hinaus zur Verkabelung wissen muss, erfahren Telekom-Kunden auf der eigens eingerichteten Hilfeseite im Netz unter goo.gl/ebK3qU.


Funktioniert eine Hausnotrufanlage
auch weiterhin?

Viele ältere Menschen vertrauen auf eine Hausnotrufanlage – etwa mit einem Notrufknopf, der nach einem Sturz automatisch einen Notruf absetzt. Hier sollte man rechtzeitig beim jeweiligen Anbieter nachfragen, ob das Gerät weiterhin funktioniert oder gegebenenfalls ausgetauscht werden muss. Ältere Menschen, die sich bei diesem Thema oder bei der Umstellung insgesamt unsicher fühlen, können sich an die Deutsche Seniorenliga wenden. Sie hat gemeinsam mit der Telekom eine Broschüre zum neuen Telefonnetz aufgelegt. Diese ist im Internet unter "deutsche-seniorenliga.de/infomaterial" erhältlich. Eine gedruckte Fassung kann per Fax (+49 228 3679390) oder per Post (Deutsche Seniorenliga e. V., Heilsbachstr. 32 53123 Bonn) angefordert werden.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.