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Vorsicht, E-Boards von links

Die neuen Highways für Radfahrer sind schon veraltet. Auf Straßen und Gehwegen rollt viel mehr auf uns zu

Mit dem Fahrradfahren ist es wie mit Jesus – um die Osterzeit erinnern sich viele Leute wieder dran: schlechtes Gewissen, nie versiegende Hoffnung, bessere Welt. Auch in der Politik erfährt das Rad plötzlich Aufmerksamkeit. Überall werden neue Superhighways gebaut, weniger für jene Gelegenheitsradler, die am Tag nach dem Oster-Ausflug zum Physiotherapeuten humpeln, sondern für tägliche Pedaleure. Politik und Christentum verbindet wiederum, dass beide auf gesellschaftlichen Wandel verzögert reagieren. Der massive Radwegebau kommt ein paar Generationen zu spät.

Der Blick auf den Fahrzeugpark einer Schule illustriert die Zukunft des Individualverkehrs. Kinder, die nicht per SUV chauffiert werden, nutzen heute ein gutes Dutzend verschiedenster Fahrzeuge: Longboards und Pennyboards, Einräder und Lastenräder, elektrisch betriebene Rollapparate mit Discolichtern, die guten alten Inliner, den faltbaren Tretroller. Bewegungsferne Jugendliche schnappen sich Omis E-Bike. Die Industrie bastelt längst an Hoverboards, also Schwebebrettern, an Flugrucksäcken, die wir Älteren von Olympia 1984 kennen, und tatsächlich Flugmopeds. Da wird das normale Rad zur Randgruppe.

Der klassische Verkehrsweg, im Idealfall dreigeteilt für Autos, Räder, Fußgänger, wird in Zukunft nicht mehr genügen. Beispiel Skateboard: Ein routinierter Fahrer bringt das Brett auf Radtempo, saust aber auf dem Gehsteig. Das träge Lastenrad wiederum überholt kaum Spaziergänger und wird links von einer Rennmaschine, rechts vom E-Bike überholt, die sich beide ein Sprinterduell bis zur nächsten Ampel liefern, wo ein Kind mit Warnfahne auf seinen Stützrädern schwankt. Lastenräder auf den Gehsteig? Skateboards auf den Radweg? Aber wohin mit dem Einrad? Und dem E-Board? Die Straße von morgen braucht acht Spuren, jedes Fahrzeug ein Kennzeichen, dazu natürlich Tempolimits. Bis es endlich so weit ist, hilft Beten und eine Christophorus-Plakette am Lenker.