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Ein Arzt rückt von der guten Seite ab

Finnur (Baltasar Kormákur) hat gern alles unter Kontrolle. Nicht nur im OP-Saal, in dem der Herzchirurg regelmäßig Leben rettet, auch in seinem Privatleben. Vor allem das zunehmend seltsame Verhalten seiner 18-jährigen Tochter Anna (Hera Hilmer) ist ihm ein Dorn im Auge. Seit sie ausgezogen ist, lässt sie sich treiben und verbringt mehr Zeit auf Partys, als sich um ihre Zukunft zu kümmern.

Für den Vater ist klar: Ihr weitaus älterer Freund Óttar (Gísli Örn Garðarsson) ist schuld. Finnur setzt alles daran, die Beziehung mit dem kleinkriminellen Drogendealer, der Anna offensichtlich auch mit Stoff versorgt, auseinanderzubringen. Doch die Polizei winkt ab. Anna ist volljährig und für sich selbst verantwortlich. Hippokrates’ medizinischer Eid hin oder her: Finnur nimmt die Angelegenheit selbst in die Hand und verhält sich schnell alles andere als ein Engel in Weiß.

Der isländische Regisseur Baltasar Kormákur („101 Reykjavik“), der in seinem Thrillerdrama auch gleich die Hauptrolle übernommen hat, kehrt damit nach seinen Hollywood-Ausflügen („Everest“, „2 Guns“) in seine Heimat zurück. Hochpräzise und auf das Notwendigste reduziert, inszeniert er die Genre-Produktion „Der Eid“. Doch das ist genau das Problem von Kormákurs Film: Er funktioniert perfekt innerhalb der Parameter der Genre-Konventionen eines Thrillers, aber er überrascht oder berührt nicht.

„Der Eid“ ISL 2016, 110 Min., ab 16 J.,
R: Baltasar Kormákur, D: Hera Hilmar, Baltasar Kormákur, Gísli Örn Garðarsson, im Studio; www.alamodefilm.de/kino/detail/der-eid.html