Ratgeber Extra

Was gegen Angstattacken hilft

Manche Phobien beginnen oft schon in der Kindheit oder Jugend. Psychologische Therapien können helfen

Nach der Arbeit fährt Maria mit der U-Bahn nach Hause. Wie so oft verspürt sie ein körperliches Unwohlsein. Aber heute befürchtet sie, ohnmächtig zu werden. Als sie dann auch noch zu schwitzen beginnt, verlässt sie fluchtartig die Bahn. Später treten die Reaktionen auch im Job auf. Der Hausarzt kann keine körperliche Störung feststellen. Trotzdem werden die „Anfälle“ intensiver. Maria reagiert darauf mit sozialem Rückzug – ein typisches Symptom einer Angststörung.

Angsterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen. Nach Angaben des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) klagt jeder vierte Patient bei Allgemeinärzten über Angstsymptome. „Angst ist auch ein Zeichen von Angespanntheit. Vor allem soziale Ängste und Platzangst mit Panikattacken sind häufig“, sagt die Hamburger Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin und BDP-Landesgruppenvorsitzende Bettina Nock. Ursache für die Zunahme an Angststörungen sei vor allem die sich rasant verändernde Gesellschaft. Dazu gesellen sich Angst machenden Impulse, etwa in Form von Nachrichten über Terror und Krieg.

Manche Betroffene vermeiden auch soziale Kontakte

Angst kann als Panikattacke, Phobie, generalisierte oder soziale Angststörung auftreten. Panikattacken kommen meist unerwartet. In 66 Prozent der Fälle sind sie mit einer Agoraphobie, also Platzangst, verbunden. Das wesentliche Symptom sind anhaltende Sorgen oder Ängste, die nicht auf bestimmte Situationen beschränkt sind. Oft machen sich Betroffene auch Sorgen über reale Bedrohungen, etwa Erkrankungen ihrer Liebsten. Die unruhigen und nervösen Patienten zeigen ebenfalls starke körperliche Symptome, häufig greifen sie auch zu Alkohol und Drogen. Die soziale Phobie hingegen ist eine extreme Form der Schüchternheit. Die Betroffenen vermeiden soziale Kontakte, beteiligen sich nicht am Unterricht oder sprechen kaum mit Kollegen oder Fremden.

Die Angststörung beginnt meist in der Kindheit oder Jugend. Bei den spezifischen Phobien wird die Furcht zum Beispiel durch Tiere, Höhe, Flugzeuge oder Spritzen hervorgerufen. Trotz ihrer Häufigkeit würden Angststörungen häufig nicht erkannt, kritisiert der BDP. Er verweist darauf, dass die psychologische Therapie von Angststörungen zu den Verfahren gehört, deren hohe Wirksamkeit wissenschaftlich eindeutig gesichert ist. Um eine genaue Diagnose stellen zu können, sollten jedoch andere körperliche und psychische Erkrankungen ausgeschlossen werden. Neben der Kognitiven Verhaltenstherapie verspricht die systematische Desensibilisierung gute Erfolge. Dabei erfolgt die Konfrontation schrittweise. Beispiel: Erst schaut sich der Patient das Bild einer Spinne an, dann das Tier, das er schließlich auch anfassen soll. Spezielle Techniken helfen dabei, den Körper zu entspannen. Ein weiteres Verfahren ist die psychodynamische Psychotherapie, bei der der Blick auf Lebenserfahrungen in der Vergangenheit gerichtet wird. Manchmal können auch Medikamente sinnvoll sein.

Weitere Informationen unter
www.therapie.de, www.psych-info.de
und www.psychotherapiesuche.de