Glosse

Über Franzbrötchen und Spiele

Bäckereifilialen schießen seit Monaten wie Pilze aus dem Boden. Fast überall pflastern sie den Weg und locken mit Süßigkeiten, Kaffee und Körnerbrötchen jeglicher Couleur. Dieser Boom ist jetzt der „Süddeutschen Zeitung“ in einer Reportage über das „Geschäft mit der Lust“ aufgefallen. Während die Zahl der Backläden in Hamburg geradezu explodiere, gebe es bei den Sexshops in der Hansestadt eine gegenläufige Entwicklung, schreibt das Blatt. Ein Laden schließe nach dem anderen.

In diesen harten Zeiten geht es eben nicht mehr um das ausgewogene Verhältnis von „Brot und Spielen“, sondern nur noch um das Brötchen. Dahinter steckt, wer sollte es sonst sein, die wenig bekannte „Franzbrötchen-Mafia“. Sie arbeitet bereits morgens um zwei Uhr und damit quasi im Untergrund. Die Paten der „Franzbrötchen-Mafia“ kennen die Vorlieben ihrer Pappenheimer mindestens genauso gut wie einst Beate Uhse: Schließlich erfreut sich das süße Plundergebäck hierzulande so großer Beliebtheit, dass es am liebsten in aller Munde ist. Auf jeden Fall mit Zimt!

Während das Geschäft mit der Fleischeslust lahmt, setzen die Franzbrötchen-Clans auf die gängigen Gaumenfreuden ihrer traditionsbewussten Kunden. Denn die Backfilialen können mit einer Hamburgensie punkten: Die Franzbrötchen wurden vermutlich während der Französischen Besatzungszeit (1806–1814) von einem Hamburger Bäcker erfunden – aus einem schnöden Croissant.

Es wird nicht mehr lange dauern, dann verdrängen die Bäcker mit ihren veganen Franzbrötchen alteingesessene Fleischereien und den Tabledance auf der Reeperbahn. Wem das zu viel Brot und Brötchen, aber zu wenig Spiele sind, der muss eben dorthin fahren, wo das Franzbrötchen nahezu unbekannt ist. Zum Beispiel nach München.