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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Lars Haider: Lieber Christoph, ich blicke nicht mehr durch. Erst erzählt uns die Bundesregierung, wir sollen alle Riester-Renten abschließen und bis 67 arbeiten. Nun heißt es auf einmal, dass 67 gar nicht reicht, sondern dass wir wohl eher ran müssen, bis wir 70 Jahre alt sind – und dass wir Riester vergessen können! Ja, was denn nun? Wissen die da bei Dir in Berlin noch, was sie tun? Oder müssen wir Norbert Blüm zurückholen (aus den Flüchtlingslagern)?

Christoph Schwennicke: Bitte nicht Blüm! Aber, ja Du hast recht: Das ist komplettes Chaos. Und die Rente mit 63 ist wirklich ein absurdes Wahlgeschenk.

Haider: Worauf müssen sich also unsere Leserinnen und Leser einstellen? Arbeiten bis 70? Und hast Du Deine Riester-Renten schon auf Eis gelegt? Ihr solltet das auf Eurem nächsten Titel mal zum Thema machen, das verkauft sich wie blöd …

Schwennicke: Wir haben in unserer Branche ja einen eigenen Riester namens Presseversorgungswerk. Einen Titel dazu? Bin nicht sicher. Aber wir machen was Größeres dazu. Nach vorne. Nicht nach hinten.

Haider: Was denn? Ich schreibe mir hier die Finger wund und Du machst immer nur Andeutungen ...

Schwennicke: Ich kann doch nicht einen Titel verraten, der Ende Mai an den Kiosk kommt. Jetzt ist erst mal Seymour Hersh mit einem halbexklusiven Inside-Report über die vergeigte Syrienpolitik der Administration Obamas am Start. Und das nächste Heft, so viel sei verraten, spielt bei Euch in der Gegend ...

Haider: Du bist und bleibst nun mal der Meister der Andeutungen. Deshalb jetzt drei konkrete Fragen: Erstens: Riesterst Du? Zweitens: Wie lange willst Du arbeiten? Drittens: Weiß An­drea Nahles, was sie da in ihrem Arbeitsministerium und mit den Renten macht?

Schwennicke: Erstens: Nein. Wir haben ja schon das Presseversorgungswerk obendrein. Und Riester habe ich in der (Fehl-)Konstruktion immer für ein Staatsgeschenk an die Maschmeyer-Industrie empfunden. Zweitens: Bis ich keine Freude mehr dran habe. Drittens: Weiß ich nicht.