Zwischenruf

Ich bin’s, der Sünder des Tages

Eine Glosse von Matthias Schmoock

Ein Morgen in Planten un Blomen, zwischen Millerntorwache und Sievekingplatz. Ein Hund wühlt vergnügt im Blumenbeet, auf einer Bank lassen drei Männer Bierflaschen kreisen. In der Ferne startet eine Kitagruppe im Gänsemarsch ihren Tagesausflug – sonst ist weit und breit niemand unterwegs. Dann kommt er, der Übeltäter des Tages. Ein Radfahrer, unterwegs zur Arbeit in sehr moderatem Tempo. Ich. Der Asphaltweg zwischen dem Hamburg Museum und der Eisbahn ist mindestens vier Meter breit, bestens einsehbar und – völlig leer. Er ist aber auch tabu, für Radler jedenfalls. Ich gebe also an dieser Stelle zu: Am Eingang gibt es dazu ein unscheinbares Verbotsschild und ich hatte es gesehen. Kann man es nicht trotzdem mal „riskieren“? Kann man nicht trotzdem mal einfach da durchfahren? Dauert nur fünf Minuten, niemand wird gefährdet.

Doch keine Chance. Sofort kommt ein Parkwächter aus seinem Versteck und fordert mich streng auf, den Park zu verlassen. Also Abfahrt in Richtung Holstenwall. Klar, es gibt diese Vorschrift. Aber kann man in der Freien und Hansestadt nicht mal eine Ausnahme machen? Auf dieser begrenzten Fläche, unter der Woche vormittags, das wär doch mal was.

Auf eine Diskussion mit dem Hüter der Parkordnung hab ich mich übrigens gar nicht erst eingelassen – der Mann macht ja auch nur seinen Job. Sein Hauptargument kenne ich sowieso schon: „Da könnte ja jeder kommen.“ Der Punkt ist aber: Es kommt – wie übrigens immer in solchen Fällen – ganz bestimmt nicht jeder. Dorthin kommt um diese Zeit fast niemand.

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