Gedenken

Ruanda trauert 20 Jahre nach dem Völkermord um seine Opfer

Die grausamen Bilder aus Ruanda bleiben unvergessen: Vor zwei Jahrzehnten metzelten extremistische Hutus mit Macheten und Knüppeln Hunderttausende Tutsis nieder. Das Land trauert weiter um seine Opfer - und gibt Frankreich eine Mitschuld an den Geschehnissen.

Kigali. Ruanda begeht den 20. Jahrestag eines der schlimmsten Verbrechen aller Zeiten: Am 7. April 1994 nahm in dem ostafrikanischen Land ein Völkermord seinen Anfang, dem in nur 100 Tagen 800 000 Tutsis und moderate Hutus zum Opfer fielen. Extremistische Hutu-Milizen verübten in dieser Zeit brutalste Massaker an der ethnischen Minderheit. Am Montag gedachten Überlebende in allen Teilen Ruandas der Opfer. Zudem begann eine einwöchige offizielle Trauerzeit, während der keine öffentlichen Veranstaltungen, Hochzeiten oder Feiern erlaubt sind.

Unter anderem war eine Kranzniederlegung an den Massengräbern der offiziellen Gedenkstätte in der Hauptstadt Kigali geplant. Später sollte im Nationalstadion eine Zeremonie mit internationalen Gästen abgehalten werden. Seit Januar wurde eine „Flamme der Hoffnung“ durch alle 30 Bezirke der ehemaligen belgischen Kolonie getragen, die nun Präsident Paul Kagame übergeben werden und 100 Tage lang brennen sollte.

Überschattet wurde die Gedenkfeier von einem heftigen diplomatischen Streit zwischen den Regierungen in Kigali und Paris. Kagame warf Frankreich im Vorfeld erneut vor, eine aktive Rolle bei der Vorbereitung und Ausführung des Völkermords gespielt zu haben. Die französische Justizministerin Christiane Taubira sagte daraufhin kurzfristig ihre Reise zur Gedenkfeier ab. Stattdessen sollte Botschafter Michel Flesch an der Zeremonie teilnehmen. Er wurde allerdings am späten Sonntagabend von ruandischer Seite zur Persona non grata erklärt.

„Gestern um 22.30 Uhr hat mich der ruandische Außenminister angerufen und mich darüber informiert, dass ich für die Zeremonien nicht mehr akkreditiert bin“, erklärte Flesch der französischen Nachrichtenagentur AFP am Montag in Kigali. Auf die Frage, ob er denn wenigstens am Nachmittag am Völkermord-Mahnmal von Gisozi einen Kranz niederlegen dürfe, habe der Minister mit „Nein“ geantwortet.

Auslöser des Genozids war am 6. April 1994 der Abschuss des Flugzeuges, in dem Hutu-Präsident Präsident Juvénal Habyarimana zusammen mit seinem burundischen Amtskollegen Cyprien Ntaryamira unterwegs war. Wer für die Tat verantwortlich war, ist bis heute nicht geklärt. Erst Mitte Juli gelang es der Tutsi-Rebellenarmee „Ruandische Patriotische Front“, das Land unter Kontrolle zu bringen.