Angehörige der Passagiere drohen entnervt mit Hungerstreik

Die Fakten und ungeklärten Fragen der verschollenen Boeing

Peking/Kuala Lumpur. Elf Tage nach dem rätselhaften Verschwinden des Flugzeugs ist das Suchgebiet so groß wie die Fläche Australiens. Angehörige chinesischer Passagiere drohten mit Hungerstreik, falls sie nicht mehr Informationen bekommen. Was ist gesichert? Was fragwürdig?

Fakten zu Flug und Daten: Malaysia Airlines-Boeing 777-200, elf Jahre alt, 239 Menschen an Bord, davon 154 Chinesen. Start: 8. März 2014, 0.21 Uhr (Ortszeit, Freitag 17.21 Uhr MEZ) in Kuala Lumpur. Gutes Wetter. Reisehöhe rund 10.000 Meter. Erfahrener Pilot Zaharie Ahmad Shah mit mehr als 18.000 Flugstunden. Flugzeugtyp und Fluggesellschaft gelten als zuverlässig.

Vorgänge an Bord: Neu ist die Erkenntnis, dass die Maschine wohl absichtlich vom Kurs gebracht und die Kommunikationssysteme ausgestellt wurden. Abgemeldet hat sich um 1.19 Uhr vermutlich der Kopilot. Das Flugzeug soll noch acht Stunden geflogen sein.

Satellitensignale: Satelliten über dem Indischen Ozean empfingen bis 8 Uhr 11 Signale der Maschine. Aus dem Winkel, in dem die Signale ankamen, errechnen die Ermittler zwei Routen: eine Richtung Nordwesten über Nordindien, Pakistan, Kasachstan, eine Richtung Südwesten an Indonesien und Australien vorbei.

Offene Fragen: Wurde das Kommunikationssystem ACARS kurz vor oder nach der Abmeldung aus dem Cockpit abgeschaltet? Die letzte ACARS-Meldung stammt von 1.07 Uhr, die nächste wäre um 1.37 Uhr fällig gewesen, blieb aber aus. Wäre es vor der Abmeldung ausgeschaltet worden, würde das auf eine Komplizenschaft des Piloten hinweisen – wenn es Kopilot Fariq Abdul Hamid, 27, war, der um 1.19 Uhr sprach. Das zweite Kommunikationssystem, der Transponder, stoppte um 1.21 Uhr.

Der Pilot: Was hat Pilot Zaharie Ahmad Shah, 52, mit einem selbst gebauten Flugsimulator zu Hause gemacht? Wollte er, wie Freunde sagen, nur die Freude am Fliegen mit jedem teilen?

Radar: Kann die Maschine stundenlang unerkannt über hoch militarisiertes Gebiet geflogen sein? Die Nordkorridor-Route führt über die Grenzregion zwischen Indien und Pakistan sowie an Afghanistan mit hoch ausgerüsteter US-Armee vorbei, die Süd-Route entlang der australischen Westküste. Australiens Militär hat „Überhorizontradar“, das 3000 Kilometer weit „sehen“ kann. Es hat keine Sichtung gemeldet.

Spekulation: Könnte ein Kabelbrand die Systeme an Bord außer Gefecht gesetzt und Stickstoffmonoxid freigesetzt haben, was alle an Bord bewusstlos hätte werden lassen? Die Maschine hätte auf Autopilot noch stundenlang weiterfliegen können.