Trauerfeier in Russland

Abschied von Solschenizyn

Er hat wie kein anderer den Terror des Stalin-Regimes offengelegt. 1974 wurde Alexander Solschenizyn aus der Sowjetunion ausgewiesen; erst 1994 kehrte er nach Russland zurück. Heute verneigte sich sein Land vor dem Literaturnobelpreisträger.

Moskau. Russland hat Abschied von Alexander Solschenizyn genommen. Der Leichnam des Literaturnobelpreisträgers wurde am Vormittag in der Akademie der Wissenschaften am Moskauer Lenin-Prospekt aufgebahrt. Bereits vor Öffnung der Türen warteten Hunderte auf Einlass, um dem Schriftsteller die letzte Ehre zu erweisen. Das meldete die Agentur Itar-Tass. Neben dem Sarg stand eine Ehrenwache und eine große Schwarzweißfotografie mit dem Porträt des früheren Regimekritikers. Trauerreden waren nicht vorgesehen.

Solschenizyn soll an diesem Mittwoch auf dem Friedhof des Moskauer Donskoi-Klosters beigesetzt werden. Der Autor, der durch die literarische Aufarbeitung des Stalin-Terrors Weltruhm erlangte, war am Sonntagabend im Alter von 89 Jahren in Moskau gestorben. Sein Tod hatte international Trauer ausgelöst. 1970 war ihm der Nobelpreis für Literatur zugesprochen worden. Nach der Veröffentlichung seines Hauptwerks "Archipel Gulag" 1973 war Solschenizyn aus der Sowjetunion ausgewiesen worden. 1994 kehrte er nach Russland zurück.