Mönckebergstraße: Platzverweis für Verein "Kinder in Not"

Der Bezirk Mitte geht gegen den umstrittenen Verein "Kinder in Not" vor: Mönckebergstraße, gestern Nachmittag, 16 Uhr. Zwei Mitarbeiter des Bezirklichen Ordnungsdienstes (BOD) erteilen den Spendensammlern von "Kinder in Not" einen Platzverweis für die Innenstadt. Denn diese hatten für ihren mobilen Infostand, an dem ein Banner mit der Aufschrift "Spenden Sie hier für krebskranke Kinder" hängt, keine Sondernutzungsgenehmigung beim Bezirk Mitte beantragt. Und Bezirksamtsleiter Markus Schreiber will jetzt hart durchgreifen: "Wir werden diese Spendeneintreiber genau überprüfen. Sollte sich herausstellen, dass die Spenden nicht für einen guten Zweck gesammelt werden, dann werden wir ähnlich hart wie bei der bulgarischen Bettelmafia vorgehen und eine Untersagungsverfügung erlassen." Dann dürfte der Verein überhaupt nicht mehr in der Innenstadt Geld sammeln. Wie berichtet, legt der Verein aus Bardowick nicht offen, welche Institutionen die gesammelten Spenden tatsächlich erhalten. Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) warnt deshalb davor, an den Verein zu spenden. Unterdessen fällt auf, dass in der Innenstadt die Zahl der Organisationen, die Spenden sammeln, zunimmt. Der Grund: "Seit 2005 das Hamburgische Sammlungsgesetz abgeschafft wurde, kann quasi jeder ohne Genehmigung mit einer Dose durch die Stadt laufen und Geld sammeln", so Schreiber. Citymanagerin Brigitte Engler ist die Problematik bekannt: "Es kommt in der Innenstadt zu einem regelrechten Wildwuchs an Spendensammlern. Da ist es schwer zu unterscheiden, wer seriös ist und wer Schindluder treibt." Auch seriöse Vereine leiden unter dieser Situation: "Es kommt uns leider immer häufiger vor, dass irgendjemand auf der Straße angeblich für uns sammelt, ohne dazu autorisiert zu sein", sagt Christl Rehmenklau-Bremer, Vorsitzende der Stiftung phönikks, die sich um krebskranke junge Menschen kümmert. Sie fordert: "Es sollte wieder eingeführt werden, dass Spendensammeln auf der Straße offiziell angemeldet werden muss." Das sieht VZHH-Geschäftsführer Günter Hörmann ähnlich: "Wir brauchen das Sammlungsgesetz zurück." Unterdessen droht "Kinder in Not" weiterer Ärger: "Wir werden juristische Schritte gegen den Verein einleiten", sagt Wolfgang Büscher, Sprecher der Archen in Hamburg und Berlin. Wie berichtet, hatte "Kinder in Not" auf seiner Internetseite die Archen als eines seiner Projekte angegeben, obwohl das die Hilfseinrichtungen bereits durch einen Anwalt untersagt hatten. Auch beim Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das als "Spenden-TÜV" gilt, ist der Verein bekannt: "Wir haben ,Kinder in Not' mehrfach angeschrieben und unter anderem um den Jahresabschluss gebeten. Bislang ohne Erfolg", sagt Geschäftsführer Burkhard Wilke.