Leitartikel

Schluss mit dem Impf-Ärger

| Lesedauer: 4 Minuten
Lars Haider
Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider.

Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider.

Foto: Andreas Laible / HA

Die Terminvergabe unter 116 117 für Corona-Imofungen entnervt täglich Tausende Hamburger. Das muss sich ändern.

Hamburg. So darf es mit dem Impfen in Hamburg nicht weitergehen. Zwar kann man niemandem in der Stadt, im Senat, in den Behörden einen Vorwurf dafür machen, dass es zu wenig Impfstoff gibt – daran kann Hamburg allein nichts ändern. Was es aber ändern kann, sind die Kommunikation zur Impfkampagne und die Vergabe der Termine.

Die aktuelle Situation ist untragbar und für die Betroffenen eine Zumutung. Die 114.000 Hamburgerinnen und Hamburger über 80 Jahre, die von der Stadt in der vergangenen Woche mit der Bitte angeschrieben wurden, sich impfen zu lassen, wissen inzwischen nicht mehr, was sie tun sollen: Jeden Tag bei 116 117 anrufen, in der Hoffnung, dass es vielleicht doch neue Termine gibt? Lieber eine Woche abwarten und es dann mal wieder probieren? Oder erst Ende Februar einen Versuch wagen, weil dann ja angeblich deutlich mehr Impfdosen zur Verfügung stehen sollen?

Das sind Fragen, auf die es im Moment keine Antworten gibt. Und dies führt dazu, dass jeden Tag unzählige, wahrscheinlich Tausende Menschen ihr Glück versuchen und für Gespräche sorgen, die niemandem etwas bringen: den Anrufern nicht, weil sie eben keine Termine erhalten, und auch nicht den Mitarbeitern bei 116 117, weil sie viel Arbeit haben, die zu nichts führt.

Corona-Impfung: Wartelisten für die Terminvergabe?

Lässt sich das nicht besser organisieren? Warum können die Anrufer nicht auf Wartelisten geführt und zurückgerufen werden, wenn es tatsächlich Termine gibt? Das wäre nicht nur logisch, sondern würde alle Seiten entlasten. Die älteren Menschen müssten sich nicht immer wieder durch lange Warteschleifen quälen, und die Mitarbeiter des Patientenservices müssten nicht zigmal dieselbe Frage beantworten. Sie würden von vielen überflüssigen Anrufen entlastet – und könnten die vorhandenen Listen später gezielt abarbeiten.

Verführe man nach dieser Methode, kämen auf jeden Impfling maximal zwei Anrufe. Im Moment sind es, wenn man sich im Bekanntenkreis umhört oder mit Leserinnen und Lesern des Hamburger Abendblatts spricht, deutlich mehr: Nicht wenige versuchen täglich bei der Telefonnummer ihr Glück, weil sie sich und damit andere mit einer Impfung endlich vor dem Virus schützen wollen.

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Dass sie dabei aktuell derart enttäuscht werden, zermürbt die einen und lässt die anderen verzweifeln. „Ob das mit meiner Impfung überhaupt noch was wird?“ Die Frage hört man oft in diesen Tagen, und sie konterkariert all die schönen Werbekampagnen, mit den Bundes- und Landesregierungen versuchen, möglichst viele Menschen von einer Impfung zu überzeugen.

Impfen hat mit Vertrauen zu tun

Impfen hat, gerade in der besonderen Situation einer nie da gewesenen Pandemie, mit Vertrauen zu tun. Vertrauen in den Impfstoff und dessen Zuverlässigkeit, aber auch Vertrauen in die Abläufe. Letzteres wird leider massiv gestört, wenn ein Impfwilliger mehrfach daran scheitert, einen Termin zu bekommen. Das kann dazu führen, dass er irgendwann aufgibt, insbesondere dann, wenn er einer Impfung grundsätzlich eher skeptisch gegenübersteht.

Überhaupt werden sich die nicht wenigen Impfskeptiker in unserem Land angesichts des Starts der Impfkampagne in ihren Bedenken bestätigt fühlen. So kann es nicht weitergehen, wenn man am Ende 60, 70 oder mehr Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger dazu bewegen will, sich impfen zu lassen. Deshalb muss es jetzt einen Neustart der Impfkampagne geben, der keine Fragen offenlässt. Mit Informationen, die klar und eindeutig sind und so schnell wie möglich zu Ergebnissen, sprich: Terminen, führen.

Damit lassen sich nicht nur Nerven schonen, damit lässt sich auch viel Zeit und vor allem Geld sparen. Worauf warten wir noch?

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