Meinung
Kommentar

Deutschland muss die Stoßstürmer-Diskussion abhaken

| Lesedauer: 2 Minuten
Kai Schiller ist Chefreporter Sport beim Hamburger Abendblatt.

Kai Schiller ist Chefreporter Sport beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Kai Schiller,

Eine WM ist kein Experiment. Wenn man keinen Top-Torjäger hat, dann muss man eben anders spielen.

Hamburg. Kennen Sie noch Martin Max? Ein echtes Kind der Bundesliga. 22 Tore für Borussia Mönchengladbach. 33 Treffer für Schalke 04. Sogar 51 Tore für 1860 München. Und immerhin noch 20 Treffer für Hansa Rostock. Martin Max, da gibt es keine zwei Meinungen, wusste ganz genau, wo das Tor steht. 2000 wurde er Torschützenkönig. 2002 gleich noch mal.

Und so war es dann auch kein Wunder, dass die 81 Millionen Bundestrainer vehement forderten, dass die Auswahl der deutschen Rumpelfüssler doch bitteschön auf diesen Martin Max bei der WM 2002 nicht verzichten sollten. Und tatsächlich machte Bundestrainer Nummer eins, Rudi Völler, Max kurz vor der WM in Japan und Südkorea mit 33 Jahren, acht Monaten und zehn Tagen zum ältesten Debütanten in einer deutschen Fußballnationalmannschaft. Acht Minuten durfte er beim 0:1 gegen Argentinien spielen – ehe seine Nationalmannschaftskarriere noch vor dem Turnier schon wieder zu Ende war.

Nationalmannschaft: Eine WM ist kein Experiment

20 Jahre später hat Deutschland wieder eine Martin-Max-Diskussion. Wieder fehlt dem Land der Seelers, Müllers, Völlers und Klinsmanns ein echter Bomber der Nation. Und wieder wird die Frage gestellt, wer diesmal den dicken Max machen könnte. Der bislang ins Spiel gebrachte Vorschlag Nummer eins: Bremens Niklas Füllkrug.

Der öffentlich diskutierte Vorschlag Nummer zwei: Simon Terodde. Wir erlauben uns noch ein paar weitere Vorschläge: Zweitliga-Torjäger Robert Glatzel vom HSV, Elversbergs Drittliga-Angreifer Luca Schnellbacher oder eine Aktivierung vom ewigen Goalgetter Michael Thurk. Sie alle haben mit Füllkrug und Terodde zwei Dinge gemeinsam: Sie sind echte Knipser. Doch sie alle haben ihr Können noch nie auf internationalem Niveau gezeigt.

Eine WM ist kein Experiment. Wenn man keinen Top-Torjäger hat, dann muss man eben anders spielen. Variabel, flexibel und ganz einfach besser als die Nationalmannschaft am Freitag gegen Ungarn. Das weiß Bundestrainer Hansi Flick. Das weiß auch Bayern-Trainer Julian Nagelsmann. Und das wissen wahrscheinlich auch Füllkrug, Terodde, Glatzel, Schnellbacher, Thurk – und sogar Martin Max.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung