Meinung
Deutschstunde

Manchmal reicht ein Blick in den Duden

| Lesedauer: 4 Minuten
Peter Schmachthagen
Peter Schmachthagen schreibt im Abendblatt wöchentlich über die Tücken der deutschen Sprache. Mails bitte an deutschstunde@t-online.de.

Peter Schmachthagen schreibt im Abendblatt wöchentlich über die Tücken der deutschen Sprache. Mails bitte an deutschstunde@t-online.de.

Foto: dpa/ Klaus Bodig

Ein Kolumnist ist keine Sprachauskunft und nicht der alleinige Autor der Wikipedia. Deshalb kann auch mal zum Duden gegriffen werden.

Hamburg. Das Schreiben dieser Kolumne ist das eine, die Aufarbeitung der umfangreichen Korrespondenz dazu das andere. Hunderte von Zuschriften landen täglich zu meinen Hamburger und Berliner „Deutschstunden“ in meinem privaten Postfach, die ich selbst in Tag-und-Nachtschichten nicht alle privatissime beantworten kann. Deshalb möchte ich hier wieder einmal ein pauschales Dankeschön sagen.

Die meisten Mails sind überaus nett und positiv, schildern eigene Erfahrungen oder stellen Zusatzfragen. Nach meinem Winnetou-Beitrag las ich fast in jeder Post „Sie sprechen mir aus der Seele“, aber es gibt immer drei unter hundert, die vermuten lassen, dass ich für einige Aktivisten zu schmerzhaft ins Schwarze, oder sagen wir besser: ins Rotgrüne getroffen habe. Dann wird mir, anonym natürlich, die Drohung übermittelt, mich bei passender Gelegenheit zu verprügeln und meinen Wagen abzufackeln.

Auch der Duden kann herangezogen werden

Allerdings beziehen sich die meisten Einsender trotz aller Bitten gar nicht auf meine aktuellen „Deutschstunden“. Manche scheinen mich für eine allgemeine Sprachauskunft oder für den Alleinautor der Wikipedia zu halten. Wenn das wahr wäre, würde ich mich als Kandidat bei Alexander Bommes bewerben, selbst wenn ich dort als 81-Jähriger wie ein kleiner Junge geduzt werden sollte.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Weder das Abendblatt, der Chefredakteur noch ich bin dafür verantwortlich, wenn irgendwo in irgendwelchen Medien oder Briefen etwas falsch geschrieben oder behauptet worden ist. Falls Onkel Emil in seiner Einladung zum Erntedankfest einen falschen Kasus (Fall) gebraucht haben sollte, wäre es mir lieber, nicht anstelle des Dudens als Kompetenz herangezogen zu werden. Sonst grüßt Onkel Emil mich nicht mehr.

Auch Fragen zu Finanzen trudeln ein

In der letzten Woche beklagte sich ein promovierter Akademiker einer anderen Fakultät bei mir, dass das ELSTER-Programm bei der Ermittlung der Grundsteuer an einer Stelle falsch addiere (aber trotzdem die richtige Gesamtsumme auswerfe). Ich konnte natürlich nicht widerstehen, statt zu löschen leicht süffisant zu antworten, dass ich Germanist und Kolumnist und nicht der Finanzsenator sei und ansonsten meine eigene Grundsteuererklärung von meiner Steuerberaterin habe anfertigen lassen.

Näher am Thema lag die Beschwerde, dass es im Nominativ (1. Fall) nicht „viele Beamte“, sondern „viele Beamten“ heißen müsse. Schließlich laute die Flexion (Beugung) „der Beamte/die Beamten“. Falsch, lieber Leser! Es heißt im Singular (Einzahl) „der Beamte“, aber „ein Beamter“ und im Plural (Mehrzahl) „die Beamten“, aber „zwei Beamte“. Zur Lösung dieser Frage braucht man keinen Peter Schmachthagen, dazu reicht ein kurzer Blick in einen ganz normalen Duden.

Auswärtige Amt führt Liste mit Staatennamen

Ein 87 Jahre alter Migrant aus Kiew wollte wissen, ob man im Deutschen „Ukra|ine“ oder „Ukrai|ne“ sage. Sogar bei Nachrichtensprechern gehe das durcheinander. Beides ist möglich und richtig. In den Bereich der geografischen Namen fiel auch die Empörung einer Leserin, die die Hauptstadt der Republik Südsudan, englisch „Juba“, nicht unter dem Buchstaben „J“, sondern nach Rückffrage unter dem Buchstaben „D“ als deutsches „Dschuba “ gefunden hatte.

Sowohl die englische (Amtssprache) als auch die deutsche Fassung werden annähend gleich ausgesprochen, aber die Heimatsprache in der Hauptstadt ist ein arabischer Dialekt, der nicht in lateinischen Lettern, sondern in arabischer Schrift geschrieben wird. Für die Transkription (für das Übertragen in eine andere Schrift) ins Deutsche bin nicht ich, sondern ist Außenministerin Annalena Baerbock zuständig. Das Auswärtige Amt führt eine für Behörden und Ministerien verbindliche Liste der Staatennamen.

Belehrungen treten an jeder Stelle auf

Sogar das geschilderte ungemütliche „Herbstwetter“ am 8. September wird als Wort beanstandet. Der Herbst beginne mit der Tag-und-Nachtgleiche erst am 23. September, wurde ich belehrt, also könne am 8. September kein Herbstwetter, sondern höchstens Spätsommerwetter geherrscht haben. Bei „Spätsommerwetter“ denke ich jedoch nicht an Sturm, Regen und Nebel, sondern an Altweiber-Fäden und reifes Obst. Die Astronomie wäre richtig, die Metapher aber nicht.

deutschstunde@t-online.de

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