Meinung
Leitartikel

Ungeimpft? Jetzt reicht es!

| Lesedauer: 4 Minuten
Sophie Laufer
Die Autorin ist Redakteurin beim Hamburger Abendblatt

Die Autorin ist Redakteurin beim Hamburger Abendblatt

Foto: Andreas Laible / HA

Die große Mehrheit schützt sich und andere. Auch Geimpfte müssen wieder verzichten. Deren Geduld mit Verweigerern ist oft am Ende.

Hamburg. Ich möchte an dieser Stelle Danke sagen. Danke dafür, dass man so manche Nacht wach liegt und sich fragt, wie das alles weitergehen soll. Danke dafür, dass man die Kinder jeden Morgen vor dem Schulbesuch ermahnt, die Maske gewissenhaft zu tragen. Danke, dass man jetzt wieder diverse Verabredungen und Veranstaltungen absagt, einfach aus Vorsicht und Sorge.

Danke, dass einen die Kinder jetzt wieder ständig fragen, ob sie noch zum Sport dürfen. Oder dafür, dass sie immer wieder ängstlich sagen: Aber die Schulen werden doch noch nicht geschlossen. Danke dafür, dass wir wieder in Sorge um die eigenen Eltern sind. Und danke dafür, dass wir wieder einmal all unsere Freunde nicht mehr sehen. An wen dieser Dank gerichtet ist? An all die ungeimpften Menschen in diesem Land!

Dramatische Folgen bei einer Corona-Infektion

An die, die Angst vor der Spritze haben. Oder vor den vermeintlichen Spätschäden (die es übrigens nicht gibt). Oder anderen angeblich gefährlichen Folgen einer Corona-Schutzimpfung. Also schlicht an all die, die es anscheinend bis heute nicht für nötig halten, im Sinne der Gesellschaft sich ausreichend über die Impfung zu informieren und diesen hilfreichen Piks geben zu lassen.

Ich werde nie verstehen, wie die Angst vor einer Spritze größer sein kann als davor, eines Tages vielleicht auf einer Intensivstation zu liegen. Die Hoffnung, dass man das Virus irgendwie nicht bekommen wird, ist zudem schon bei viel zu vielen Ungeimpften enttäuscht worden – mit Folgen, die in allen Belangen dramatisch sind, übrigens auch finanziell. Die Behandlung eines Corona-Patienten auf der Intensivstation kann schnell mal 100.000 Euro kosten.

Und wieder muss verzichtet werden

Ich muss zugeben, meine Geduld ist am Ende. Langsam, aber sicher wird mein Unverständnis zur echten Wut. Das liegt zum einen an den Nachrichten, die man in ihrer Heftigkeit ja schon manchmal gar nicht mehr ertragen kann. An dem Mitgefühl für die Menschen in den Kliniken und Praxen, die das Zaudern der Ungeimpften ausbaden müssen.

Aber ganz konkret liegt es an diesem Wochenende daran, dass wir wieder einmal liebe Freunde zurückgestoßen haben, aus Sorge um die Ansteckung unserer ungeimpften Kinder – und aus Rücksicht wegen der hohen Inzidenzen. Es ist nicht angemessen, einen Geburtstag gemeinsam zu feiern, wenn an anderer Stelle Menschen um ihre Leben kämpfen, beziehungsweise Schwestern, Ärzte und Pfleger für die Pflege dieser Menschen an ihre Grenzen gehen, fanden wir.

Kinder nehmen seit zwei Jahren Rücksicht auf andere

Denn wir verstehen es als unsere Pflicht – auch doppelt geimpft oder sogar geboostert – uns nun zurückzuhalten, da die Zahlen ins unermessliche zu steigen scheinen. Während andere Menschen unter uns es nicht einmal für nötig halten, sich impfen zu lassen. Es ist endlich an der Zeit, diesen Menschen ihre Grenzen aufzuzeigen. Denn es wäre eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, wenn am Ende wieder die Kinder zu Hause eingesperrt würden. Diejenigen, die seit fast zwei Jahren Rücksicht auf andere nehmen und sich doch zu großen Teilen selbst nicht schützen können.

Grenzen aufzuzeigen heißt, im ersten Schritt, über einen Lockdown für Ungeimpfte zu sprechen. Und in einem zweiten Schritt, eine Impfpflicht flächendeckend einzuführen. Das Argument, die Gesellschaft werde damit gespalten, zählt nicht mehr. Sie ist nämlich längst gespalten – in geimpft und ungeimpft. Das wird sich nicht ändern, ganz im Gegenteil. Die Spaltung wird zunehmen, sollten all die geimpften Menschen und die, die sich wirklich nicht impfen lassen können, weitere Einschränkungen hinnehmen müssen. Oder womöglich sogar nicht ausreichend behandelt werden können, weil ein ungeimpfter Corona-Patient eines der wertvollen Betten in der Klinik belegt. Wie gesagt:

Meine Geduld ist am Ende.

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