Meinung
Dohnanyi am Freitag

Klaus von Dohnanyi: „Chancen haben alle drei“

| Lesedauer: 2 Minuten
Matthias Iken
Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Foto: Sven Simon/Andreas Laible / imago images/HA

Hamburgs Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi im Gespräch mit Matthias Iken. Heute über die Bundestagswahl.

Matthias Iken: Erstmals in der Geschichte der Republik hoffen gleich drei Kandidaten auf das Kanzleramt. Was muss der neue Kanzler mitbringen?

Klaus von Dohnanyi: Mir scheint heute die Ausgangslage schwieriger denn je. Die Folgen der Corona-Pandemie werden noch lange spürbar bleiben; der Klimawandel zeigt bereits dramatische Folgen: Was wird zum Beispiel aus der Landwirtschaft und den trockenen Wäldern? Neue Gefahren drohen uns auch aus der Konfrontation USA gegen China. Die deutsche Führung wird also schwierige Entscheidungen treffen müssen. Das verlangt dann viel Vertrauen. Mutige Entschlossenheit verbunden mit kluger Umsicht müsste sie dafür ausstrahlen, immer das Ganze der
Gesellschaft vor Augen und nicht
nur bestimmte Gruppen.

Iken: Welche Themen werden die Wahl entscheiden?

Dohnanyi: Deutschlands Selbstvertrauen gründete immer auf einer stabilen und erfolgreichen Wirtschaft, auf Arbeit für alle und einer finanzierbaren Sozialpolitik. Wer dieses Vertrauen erschüttert, der gefährdet auch die politische Stabilität. Deswegen werden nicht allein soziale oder ökologische Fragen entscheiden: Es muss gelingen, die großen neuen Aufgaben glaubwürdig mit wirtschaftlichem Erfolg zu verbinden, also aus den unvermeidlichen Umbrüchen gut bezahlte Arbeit zu machen. Das könnte eine siegreiche Strategie sein.

Iken: Wen sehen Sie vorn?

Dohnanyi: Die Wahl wird knapp ausgehen, Chancen aufs Kanzleramt haben alle drei, denn am Ende kommt es ja auf die Möglichkeiten einer Koalition an. Aus den vorliegenden Programmen lässt sich bisher noch keine Gesamtstrategie für Deutschland erkennen: Die SPD ist eher sozial ausgerichtet, die Grünen entsprechend ökologisch, das Programm der Union fehlt noch. Mal abwarten, ob es jemand schafft, im Wahlkampf für die vor uns liegenden Jahre des Umbruchs eine überzeugende Konzeption der Hoffnung zu formulieren!

Iken: Sie wissen schon, wen Sie wählen?

Dohnanyi: Ich bin seit 1957 Sozialdemokrat. Aber ich verstehe die Schwierig­keiten anderer: Neu gegen Erfahrung? Solidität gegen Blumenkorso? Da wäre ich dann für Solidität.

Hier geht es zu dem neuen Magazin

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung