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Corona-Chaos in 2. Liga: Grüner Rasen statt grüner Tisch

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Kai Schiller ist Chefreporter Sport beim Hamburger Abendblatt.

Kai Schiller ist Chefreporter Sport beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Marcelo Hernandez

Warum ein Abbruch der Zweitliga-Saison aus sportlicher Sicht unfair wäre. Ein Kommentar zur Corona-Lage im Fußball.

Hamburg. Selbst wenn man kein leidenschaftlicher Fan von Holstein Kiel ist, muss einem der nördlichste Club im deutschen Fußball-Zirkus irgendwie leidtun. Da spielt der vor 121 Jahren gegründete Verein die beste Saison seiner jüngeren Club-Historie – und droht aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie im Saisonendspurt durch zweimalige Quarantäne alles zu verspielen. Was für ein Pech!

Doch ist das wirklich nur Pech? Hermann Gerland, der grantelnde Grandseigneur vom FC Bayern München, sagte einmal: „Immer Glück ist Können.“ Umgekehrt könnte man aber auch festhalten: Immer Pech ist Unvermögen.

Warum ein Saisonabbruch unfair wäre

Sei’s drum. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat sicher Besseres zu tun, als bei Holstein Kiel Schuldige zu suchen, die das landauf, landab gefeierte Hygienekonzept nicht richtig in die Tat umgesetzt haben. Zum Beispiel: Irgendwie auf Biegen und Brechen den Rest der Saison durchzupeitschen. Denn so unglücklich sich die Situation für Holstein Kiel darstellt, so unfair wäre vor allem ein Szenario: dass Auf- und Abstieg nicht auf dem grünen Rasen, sondern am grünen Tisch entschieden werden.

Ziemlich grün um die Ohren wäre man aber nur, wenn man ernsthaft davon träumen würde, dass durch das Corona-Chaos ein Umdenken im Profifußball einsetzt. So stark wie noch nie zuvor spüren die Clubs, wie ausgereizt der enge Spielplan bereits ist. Was ist also die logische Konsequenz? Natürlich, noch mehr Spiele! Mehr Champions-League-Spiele! Mehr EM-Spiele! Mehr Nations-League-Spiele! Und mehr Europa-Conference-League-Spiele! Und wie reagiert die Uefa auf steigende Inzidenzen in ganz Europa? Natürlich, mit der Forderung nach EM-Stadien mit Zuschauern!

Man könnte fast meinen, dass Corona dem Profifußball in diesen Tagen den Spiegel vors Gesicht hält. Kann man überhaupt noch Hoffnung auf Besserung haben? Nun ja: Grün ist die Hoffnung.

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