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Kommentar

HSV leidet unter verfrühter Selbstzufriedenheit und Angst

| Lesedauer: 2 Minuten

HSV-Reporter Henrik Jacobs spürt ein Déjà-vu beim Zweitligisten – und ahnt, wie die Saison enden wird.

Hamburg. Ich saß am Strand von Blåvand in Dänemark, als ich im Juni 2020 das bislang letzte Mal ein HSV-Spiel verpasst habe. Es war der 33. Spieltag, und der HSV spielte in Heidenheim. Ich öffnete den Liveticker des „Kicker“ und wurde durch die 1:0-Führung des HSV überrascht. Just in dem Moment glich Heidenheim aus. 80. Minute. In diesem Moment ahnte ich, was passieren wird, deaktivierte das Roaming und genoss die Dünen von Dänemark. Als ich eine halbe Stunde später das Endergebnis überprüfte, wurde ich bestätigt. Der HSV hatte 1:2 verloren. Mal wieder ein Drama.

Am Ostersonntag nun besuchte ich meine Mutter und verfolgte das erste Mal seit neun Monaten wieder ein HSV-Spiel im Ticker. Wieder wurde ich überrascht, als der HSV 3:0 führte. Wieder fiel just in diesem Moment ein Tor für den Gegner, das 1:3 in Hannover. Und wieder ahnte ich, was passieren wird. Alle 15 Minuten aktualisierte ich das Ergebnis. Mein Auge ging nur auf die Zahl von Hannover. 2:3. 15 Minuten später: 3:3. Das nächste Drama.

Dass Wood zweimal die Entscheidung verpasste, dass Terodde in umstrittener Abseitsposition traf, dass Kinsombi den Siegtreffer knapp verpasste – ich habe es erst später gelesen. Und trotzdem wusste ich irgendwie, dass nicht der HSV das bessere Ende für sich haben wird, sondern Hannover.

HSV leidet unter Selbstzufriedenheit

Aber warum? Sicher nicht, weil ich hellseherische Kräfte habe. Wahrscheinlich aber, weil ich den HSV jetzt schon einige Jahre verfolge. Und immer wieder erlebe, an welcher Krankheit der Club leidet. Es ist diese Mischung aus verfrühter Selbstzufriedenheit, wenn es gut läuft. Und dem schnellen Angstzustand, wenn es eng wird.

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Ich stelle mir vor, wie ein HSV-Fan mit diesem Wahnsinn leiden muss. Immer wieder positiv überrascht zu werden, neue Hoffnung zu spüren – und am Ende immer wieder eine so schmerzhafte Enttäuschung zu erleben.

Sieben Spiele hat der HSV noch. Und ich bin mir sicher: Er wird seine Fans noch einige Male überraschen. Er wird sie wieder hoffen lassen. Und doch habe ich irgendwie schon so eine Vorahnung, wo der HSV am Ende der Saison wieder stehen wird …

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