Meinung
Leitartikel

Schnell die Corona-Hilfen an Unternehmen auszahlen

| Lesedauer: 3 Minuten
Beate Kranz
Wirtschafts-Korrespondentin Beate Kranz.

Wirtschafts-Korrespondentin Beate Kranz.

Foto: Reto Klar

Vielen steht das Wasser bis zum Hals. Politik und Firmen sollten zügig ein Konzept erstellen, um die Läden wieder zu öffnen.

Vielen Händlern, Wirten, Hoteliers und Veranstaltern steht das Wasser bis zum Hals. Ihre Rücklagen sind aufgezehrt, versprochene Hilfen nicht eingetroffen. Manche befinden sich in Existenznot. Entsprechend dringend fordern die Verbände Lösungen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Tausende Unternehmen fühlen sich von „ihrem Vertreter“ in der Regierung im Stich gelassen. Sie fordern Taten statt Worte, klare Perspektiven, wieder ihre Geschäfte trotz Pandemie betreiben zu können. Sie möchten wissen: Wie und wann geht es endlich los? Verständlich.

Tatsächlich hat die Bundesregierung eines der größten Hilfsprogramme in einer Wirtschaftskrise finanziert. Bundesfinanzminister Olaf Scholz holte die „Bazooka“ heraus, um mit „Wumms“ und zig Milliarden Euro möglichst allen „schnell und unbürokratisch“ unter die Arme zu greifen. Davon können Unternehmen und Beschäftigte in anderen Ländern dieser Welt nur träumen. Dass dies nicht selbstverständlich ist, wissen alle Firmen – und sind dankbar dafür.

Die Realität hinkt den vollmundigen Ankündigungen hinterher

Dennoch gibt es einen Schönheitsfehler: Die Realität hinkt den vollmundigen Ankündigungen hinterher. Hier kassieren Altmaier und Scholz berechtigte Kritik. Oft hakt es an der Auszahlung. Die Anträge kommen teilweise wie bürokratische Monster daher. In den Fußnoten verbergen sich Fallstricke, die Firmen aus Hilfsprogrammen ausschließen, was selbst findige Steuerberater nicht auf Anhieb bemerken.

Von den Novemberhilfen sind 25 Prozent noch nicht ausgezahlt, von den Dezemberhilfen 75 Prozent. Wir haben aber schon Februar. Unfassbar, wie viele Unternehmer deshalb ohne Einnahmen dastehen, schlaflose Nächte erleiden. Die Ministerien müssen deshalb jetzt sofort die Geldschleusen öffnen, um Pleiten und Schließungen zu verhindern.

Verlässliche, praxistaugliche Konzepte werden gebraucht

Eine Volkswirtschaft – selbst die erfolgsverwöhnte deutsche – kann nicht dauerhaft aus dem Nichts existieren. Dafür reicht die prallste Kasse nicht. Das weiß auch die Politik, die deshalb von Beginn der Krise an versucht, wichtige Standbeine der Wirtschaft wie die Industrie am Laufen zu halten. Geschlossen ist dagegen vieles, was das Leben mit Freude und Kultur bereichert wie Reisen, Essen oder ins Theater gehen. Dort sind zudem Millionen Jobs gefährdet.

Keines der Unternehmen will die Gesundheit in der Pandemie aufs Spiel setzen oder dem Kommerz unterordnen. Vielmehr geht es darum, verlässliche, praxistaugliche Konzepte umzusetzen, um dauerhaft mit dem Virus zu leben – und trotzdem Geschäfte zu betreiben.

Lösungen sind nicht in Sicht

Im Kern haben alle 40 Verbände diesen Wunsch bei Altmaier vorgetragen. Doch auch nach dem Treffen bleibt vieles im Vagen, Lösungen sind nicht in Sicht. Immerhin soll eine Öffnungsstrategie gemeinsam erstellt werden, die dem nächsten Ministerpräsidenten-Treffen vorgelegt werden soll. Bleibt zu hoffen, dass diese dann auch überzeugt.

Die Voraussetzungen sind gut: Alle Branchen haben intelligente Hygienekonzepte umgesetzt, wie man vor dem Lockdown sehen konnte. Die Lebensmittelläden beweisen täglich, dass sie keine Hotspots von Infektionen geworden sind – warum sollte dies nicht für andere Waren gelten? Zudem kommen die Corona-Impfungen als größter Hoffnungsschimmer voran.

Kostenlose Schnelltests ab März

Ab März soll es kostenlose Schnelltests für alle geben, was hoffentlich nicht an der praktischen Umsetzung scheitert. Es sollten alle technischen Hilfsmittel genutzt werden, um allen Menschen und Betrieben wieder mehr Freiheit zurückzugeben. Auch die Wirtschaft möchte nicht am Tropf des Staates hängen, sondern vor allem Geschäfte machen – und zwar durch eigener Hände Arbeit und Leistung.

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