Meinung

Briefe an die Redaktion: 6. Januar 2021

| Lesedauer: 8 Minuten

Sträfliches Desaster

5. Januar: "Wer ist schuld am schlechten Impf-Management? Im Vergleich zu Ländern wie Israel oder Großbritannien liegt Deutschland weit zurück - das hat mehrere Gründe"

Es ist eine Frage, die eigentlich schnell und kurz zu beantworten wäre: Es ist die Ferne der politischen Entscheidungsträger von den ganz normalen Lebens- und Arbeitsabläufen der Bürger dieses Landes. Jeder kleine Handwerksbetrieb, der einen Auftrag übernimmt, wird alles daran setzen, dass sämtliche personellen, materiellen und logistischen Voraussetzungen bereitstehen und so alle Voraussetzungen für einen reibungslosen, vollständigen und pünktlichen Ablauf gegeben sind. Nicht so die mit solchen Abläufen nicht vertrauten Politiker – teure Berater waren für solch profane Selbstverständlichkeiten wohl nicht zu haben. Seit dem vor acht Monaten abzusehen war, was sich anbahnt, haben daher alle in unverantwortlicher Weise versagt. Ein sträfliches Desaster, für das - wie immer - keiner die Verantwortung übernehmen wird.

Gerhard Klußmeier

Taxi zum Arzt

5. Januar: "Warum kracht es hier so oft? Die Akte Waitzstraße. Hier passieren besonders viele Unfälle"

Wie wäre es, wenn der Taxiverbund einen Bring- und Abholdienst in der Waitzstraße für Seniorinnen und Senioren zum Arztbesuch oder ähnliches anbietet? Die Fahrten mit meist viel zu großen Autos, gesteuert durch nicht mehr verkehrstüchtige Fahrer, würden sich erübrigen. Abgerechnet wird zum Monatsende, das spart Zeit und Geld. Und es bräuchte nicht so viele Parkplätze.

Helga Lorbeer

Autos mit Automatik?

Die schweren Wagen, durch die die bisherigen Unfälle verursacht worden sind, waren wahrscheinlich alle mit Automatikgetriebe ausgerüstet. Wer da meint, die Bremse zu betätigen, stattdessen aber beherzt das Gaspedal niedertritt, löst damit den sogenannten Kickdown-Effekt aus, den Kraftspurt, der fürs Überholen eingesetzt wird. Da bleibt natürlich von der Hauswand kein Stein auf dem anderen.

Hans-Otto Schulze

Falsche Verkehrswende

5. Januar: "Was dieses Jahr auf den Autobahnen passiert. Diese Bauarbeiten sind geplant: Erster Spatenstich für Bahrenfelder A-7-Deckel, Abriss der Rampe südlich des Elbtunnels, Sanierung der A255"

So sieht also die Verkehrswende des Bundes aus. Ein Mitarbeiter je Autobahnkilometer kümmert sich darum, dass Autos auf den Autobahnen weiter schnell vorankommen und darum, das noch mehr Natur und Freiflächen unter Beton und Asphalt verschwinden. Allein 35 Millionen an Personalkosten pro anno für eine neue Behörde, die sich nur um Autos kümmert. Die Investitionen des Bundes in Radwege hier im Norden dürften dagegen verblassen. In der Praxis bedeutet der Autobahnbau dann für Radfahrer und Fußgänger Umwege von mehr als fünf Kilometer je Richtung, wie jetzt beim Bau der A 26 im Süden Hamburgs.

Joachim Franke, ADFC Kreisverband Harburg

Fahrtest für Senioren

Wer nicht in der Lage ist, ein Kraftfahrzeug ordnungsgemäß zu führen, hat darin nichts zu suchen. Es ist auch nicht nachvollziehbar, warum in Deutschland ab einem gewissen Alter nicht die Fahrtüchtigkeit überprüft wird, z.B. mit einem Seh- und Reaktionstest. Das aber ist im Autoland Deutschland wohl nicht möglich.

Matthias Christen

Schule: mehr als Bildung

4. Januar: "Der Streit um die Schule. Die Bildungseinrichtungen sind elementar für die Gesellschaft"

Als Mutter von zwei kleinen Kindern weiß ich, dass Homeoffice und Kinderbetreuung nicht vereinbar sind. Außerdem sind mein Mann und ich der festen Überzeugung, dass Schulen mehr sind als Orte der Bildung und Verwahrung. Sie sind ein wichtiger sozialer Raum für die Entwicklung der Kinder. Daher haben uns die aktuellen Quasi-Schulschließungen in eine neuerliche Krise gebracht. Um nicht tatenlos zusehen zu müssen, habe ich mich jüngst der Initiative "Familien in der Krise" angeschlossen. Wir möchten, dass Schulen aufgrund ihrer großen Bedeutung zuletzt geschlossen werden, erst wenn alle anderen Möglichkeiten der Kontaktreduzierung bei der erwachsenen Bevölkerung ausgeschöpft sind und ggf. die Maßnahmen bei den Hochrisikogruppen intensiviert wurden. Hier ist definitiv noch Potenzial! Schulschließungen bei gleichzeitigem Weiterlaufen der Arbeitswelt sind für viele Familien nicht zu stemmen. Außerdem möchten wir, dass Kinder und Jugendliche als schützenswerte Gruppe akzeptiert werden, und diese Gruppe solidarisch von der Gesellschaft unterstützt wird. Leider zeigt die aktuelle politische Debatte, welchen Stellenwert Kinder und Bildung im Allgemeinen in unserer Gesellschaft haben.

Dr. Kathrin Thiesen

Lehrer und Eltern würdigen

Ich schließe mich Ihrer Forderung nach wissenschaftlichen Grundlagen für Maßnahmen an der Schule gerne an: Das war doch die Einführung der Wochen-„Inzidenz“ und die Abstandsregel von 1,50 Meter. Und verantwortungsbewusst hatte Schulsenator Ties Rabe geschlussfolgert, dass ab einer Inzidenz von 50 die Klassen geteilt werden müssten. Vergessen? Diese Ankündigung wurde nie ausgeführt. Warum wurden für eine Klassenteilung mit Präsenzunterricht nicht mehr Lehrer und Hilfskräfte eingestellt, also Studenten, bisher als Honorarkräfte oder in der Hausaufgabenhilfe Beschäftigte? Warum wurden dafür nicht Klassenzimmer in angrenzenden Büro- und Gemeindehäusern eingerichtet, die wegen Homeoffice zusätzlich leer stehen? Muss nicht gerade hier Geld in die Hand genommen werden, damit Eltern ruhigen Gewissens zur Arbeit gehen können? Nicht zuletzt geht es um die Anschaffung von Lüftern, die 95 Prozent der Aerosole aus der Klassenzimmerluft filtern. Und: Rechtzeitige Versorgung der Schulbeschäftigten mit FFP-2-Masken, statt der ausgegebenen Staubschutzmasken. Sie machen Eltern streitig, dass sie „natürliche Bildungsexperten“ sind. Sie würdigen bei den „steten Verbesserungen der Hamburger Schülerinnen und Schüler“ namentlich nur Schulsenator Ties Rabe. Warum nicht die viel zitierten „Helden des Alltags“, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher und mit ihnen die Schülerinnen und Schüler selbst, die Experten der Praxis sind?

Christian Kölle

Zweikampf ohne Feuer

4. Januar: "Kampf um das Überleben. Nach dem 1:2 in Fürth steht der FC St. Pauli vor dem Abstieg"

Der aktuelle Kader, sowohl im Bereich der Mannschaft als auch im Trainerteam scheint den Anforderungen nicht zu genügen. Die Defizite sind in allen Bereichen gravierend, es gibt keine Hierarchie, keinen der voran geht, keine Dominanz, kein Aufbäumen. Die gesamte Zuordnung stimmt nicht, Laufwege sind nicht abgestimmt, Ballkontrolle und Zweikampfverhalten sind ungenügend, aber vor allem fehlt die Gier und das Feuer, die Begeisterung und der unbedingte Wille. Man fragt sich, was da eigentlich trainiert wird, wie die Spielvorbereitung erfolgt, warum solche blutleeren Auftritte zunehmen, es keinerlei Weiterentwicklung der Spieler gibt, die Mannschaft sich eher schlechter präsentiert? Wenn die Qualität fehlt, was man an größtenteils unpräzisen Ecken, Freistößen, Flanken und Zuspielen erkennt, sollte man erwarten können, dass wenigstens eine erhöhte Laufbereitschaft und eine bedingungslose Zweikampfführung da ist, man den Gegner niederkämpft und mit allen Mitteln das Tor verteidigt. Die Probleme sind größtenteils seit Jahren bekannt. Man fragt sich, warum die Vereinsführung seit langem die Augen verschließt. Mit dem, was dieses Team zurzeit bietet, kann man selbst in der dritten Liga nicht bestehen.

Herbert Stephan

Wir müssen umdenken

4. Januar: Leserbrief: "Eine Tradition hat gefehlt" und 2./3. Januar: Knallerfrei, das ist der Knaller! Silvester ohne Böller ist ein Modell für die Zukunft"

Ich möchte dem Leserbriefschreiber deutlich widersprechen: In einer modernen Gesellschaft sollten alle Traditionen von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand gestellt und ggf. angepasst werden. "Es gehört eben dazu", ist kein Argument. Wenn die Tradition so wichtig ist, könnte man ja wie noch meine Großeltern in den 60er-Jahren zum Jahreswechsel auf Töpfe und Pfannen schlagen. Auch bei einer Reduzierung der Knallerei auf Raketen und Batterien oder einer zeitlichen Einschränkung kommt es zu einer erheblichen Luftverschmutzung, Tonnen an Müll und verängstigten Haustieren. Auch die erwähnten Arbeitsplätze sind ein schlechtes Argument: Viele Pyro-Hersteller haben ihre Produktion schon seit Jahren ins nicht europäische Ausland verlagert. In der heimischen Solarzellen-Produktion sind allein im letzten Jahr wesentlich mehr Arbeitsplätze verloren gegangen. Corona macht deutlich, dass wir in allen gesellschaftlichen Bereichen umdenken müssen, und der Hamburger Senat sollte mit gutem Beispiel vorangehen und am Verbot von Feuerwerk auch nächstes Jahr festhalten.

Moritz Müller, Eimsbüttel​

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