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Zwischen Hamburg und Berlin

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero / HA

Ein E-Mail-Wechsel zwischen dem Hamburger Abendblatt und "Cicero".

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, nun sollen wir bis Weihnachten möglichst niemanden mehr treffen, um dann Weihnachten bis zu zehn Personen treffen zu können, um dann nach Weihnachten wieder keinen zu treffen. Ist das eine kluge Strategie?

Schwennicke: Bei Corona ist nix Strategie. Deshalb passt die Pandemie auch so gut zu Merkels Politikstil. Strategie war noch nie ihr Ding. Und hier gibt es keine Strategie. Sondern nur runterregeln, wenn’s zu schlimm wird. Das Virus ist politisch furchtbar banal.

Haider: Aber so kann man doch eine solche Lage auf Dauer nicht managen, weil die Menschen nie wissen, worauf sie sich einstellen können. Andere Länder wie Irland etwa haben verschiedene Corona-Alarmstufen mit entsprechenden Maßnahmen, da weiß jeder, woran er ist. Schwennicke: Also erst mal: Alarmstufen haben wir auch, die 35- und die 50er-Inzidenz-Regelung zum Beispiel. Und dann stellt die Statistik Deutschland kein schlechtes Zeugnis aus, was nicht für die Politik, sondern auch für die Vernunft der Leute und die Güte des Gesundheitssystems spricht. Irland, nur weil du es nennst, steht wesentlich schlechter da. Und zweitens: Doch, so wird das bleiben: Maßnahmen treffen, schauen, ob sie wirken, nachtunen. Und auf die erlösende Wirkung des Impfstoffes hoffen. Ich habe in der BBC ein Interview mit Jeremy Hunt gehört, früher britischer Gesundheitsminister. Der hat ganz schön geschwärmt, wie Deutschland das macht – und den Grund in der föderalen Struktur bis runter in die Landkreise und die Gesundheitsämter gesehen.

Haider: Interessant ist ja, dass die Inzidenzen im Norden zum Teil deutlich sinken, anders als etwa in Berlin oder Bayern. Warum gelingt das dort nicht?

Schwennicke: Da rätsele ich genauso wie du. Ich habe mir vorgenommen, das alles die nächsten Monate in einer gewissen Demut zu ertragen. Und darauf zu setzen, dass die Welt ab Ostern allmählich wieder normal wird.

Haider: Wirst du dich impfen lassen – und wenn ja, mit welchem Impfstoff?

Schwennicke: Klar lasse ich mich impfen. Welcher, ist mir egal. Bei Wein